bei meiner Bergtour auf die Rötlspitze am Stilfserjoch
Übersicht meiner Bergtouren und -wanderungen
Die Rötlspitze vom breiten Grat
oberhalb der Dreisprachenspitze aus gesehen.
auf der Rötlspitze.
Am Grat zum Gipfel.
Dahinter der Umbrailpass (in die Schweiz)
und der Piz Umbrail (3033m).
-> Umgebung Stilfserjoch - Rötlspitze
<- Aufstieg zum Piz Sesvenna
und Sesvennahütte.
-> Bergtour auf das Hasenohr
Straße hinauf zum Stilfserjoch,2758m (links oben).
An der Franzenshöhe, 2189m.
Die Stilfserjochstraße von oben.
Am Weg zur Dreisprachenspitze.
Unten das Stilfserjoch und dahinter der Passo Platigliole.
An der Dreisprachenspitze.
Tibethütte, Ortlerhaus und Livriohütte dahinter.
Gipfel der Dreisprachenspitze.
(Cima Garibaldi, 2860m)
Die Berglhütte (2188m) unterhalb der
steilen Nordwestflanke des Ortlers.
Die Payerhütte (3029m) neben der
Tabarettaspitze (3128m).
Hier bekommt man einen Eindruck,
wie großartig hier die Bergwelt ist!
Die mächtige NW-Flanke des König Ortler.
Unten klebt die kleine Berglhütte am Hang.
Der Gipfelbereich am Ortler (3905m).
Man erkennt Bergsteiger am Oberen Ortlerferner.
Der Gipfelbereich am Ortler (3905m).
Die mächtige Nordwestflanke des Ortlers.
Links der Untere Ortlerferner.
Rechts zieht der Grat hinauf zur Thurwieserspitze (3652m)
und Trafoier Eiswand (3566m).
Nahaufnahme der Tuckettspitze (3462m, rechts).
Links unterhalb erkennt man das Ninotta-Biwak (3380m).
Blick zum Ortler links bis zur Trafoier Eiswand rechts.
Der mächtige Madatschferner.
In der Mitte die Tuckettspitze (3462m).
Die Livriohütte (3175m) (Bergstation Stilfserjoch-Seibahn).
Dahinter Lifte des Sommerskigebietes.
Am Sella du Piz Cotschen (2924m).
Links geht es hinauf zur Rötlspitze.
Ganz hinten erkennt man den Piz Sesvenna (3205m).
Links oben die Geisterspitze (3467m),
in der Mitte der Monte Christallo (3434m).
Barackenlager der Österreicher entlang der Schweizer Grenze
an der Dreisprachenspitze.
(Winter 1918)
Alpini Patrouille am Zebrù Gletscher.
Das höchstgelegene Geschütz im 1. Weltkrieg
unterhalb des Ortlergipfels (3905m).
Ein Unterstand in der Gletscherspalte.
Österreichischer Besuch an der Schweizer Grenze
vor dem Hotel Dreisprachenspitze.
Frontlinie im 1. Weltkrieg am Stilfserjoch.

Aus "Kriegswege auf dem Stilfser Joch"
(c) Giancarlo Corbellini und Nemo Canetta
(c) Banca Popolare di Sondrio
Grafica Marcassoli SRL (BG)
Der Steinbock, ein hervorragender Kletterer.
Traditioneller Schafstall im Val Grande.
Die Kulturlandschaft ist geprägt von Bauten,
die Rücksicht auf Natur und Landschaft nehmen.
Die Ortlerfront am Stilfserjoch.
Wissenswertes über den Nationalpark.
-> Nationalpark Stilfserjoch
-> Stilfserjoch
-> Stilfserjoch Skigebiet
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-> Verein Stelvio-Umbrail 14/18
-> Meine Bergtour 2007 zur Payerhütte
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-> Meine Motorradtour 2008 über den Umbrailpass
Hier können Sie
meine Bergtour als PDF-Datei
herunterladen und auf Ihrer Wanderung mitnehmen.
-> Bergtourenübersicht Urlaub 2006

 

 

Meine Literaturempfehlungen
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Rötlspitze
3026m

Nachgezeichneter Ausschnitt aus KOMPASS Wanderkarte 636
Ortler - Stilfserjoch - Valfurva”

Fotos: © Christian Engl

Rötlspitze, 3026m (Punta Rosa)
Stilfserjochstraße, 2758m (Passo Stelvio)
Ortlergruppe (Südtirol, Engadin-Schweiz)
10 . August 2006

Wetter:
stark bewölkt

Der 1. Weltkrieg am Stilfserjoch
Der Nationalpark Stilfserjoch

Rötlspitze
3026m

 


Größere Kartenansicht 

Start

Stilfserjochstraße - Passhöhe, 2758m

Ziel

Rötlspitze, 3026m (Ortlergruppe)

Charakter

Leichte Bergtour auf anfangs breitem Weg.
Ab Sella du Piz Cotschen steilerer Weg.

Höhenunterschied

268m

Gehzeit

1 h (Aufstieg)

Beschreibung

Vom Parkplatz auf der Stilfserjoch Passhöhe steil hinauf zur Dreisprachenspitze (2860m). Von hier flach auf breitem Rücken vorbei an den Resten aus dem 1. Weltkrieg hinauf auf einen kleinen Hügel. Ab hier wird der Weg “schwieriger” (und wesentlich ruhiger wird es auch!).
Querung der Ostflanke der Rötlspitze hinauf in den Sattel Sella du Piz Cotschen (2925m). Aufstieg über die breite Ostflanke auf den Vorgipfel. Querung des starken Einschnitts und hinüber auf den Hauptgipfel.

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Ein paar Bilder während der Bergtour.
(Für eine größere Version auf das Bild klicken)

Vom Stilfserjoch (2758m) zur Rötlspitze (3026m)

Stilfserjoch
Passstraße

Stilfserjoch
Passstraße

Am Stilfserjoch

Am Stilfserjoch

Dreisprachenspitze

Rötlspitze

Berglhütte bei Trafoi

Sella du Piz Cotschen

Payerhütte

Rötlspitze

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Panoramabilder von der Rötlspitze (3026m)

270 Grad-Panorama von der Rötlspitze (Stilfserjoch)
(Tschengelser Hochwand - Ortler - Monte Scorluzzo)
(leider war das Wetter nicht allzu gut)

Ortler-Berglhütte

Ortlergipfel
Oberer Ortlerferner

Ortlergipfel
Oberer Ortlerferner

Ortlergipfel
Oberer Ortlerferner

Ortlergipfel
Oberer Ortlerferner

Unterer Ortlerferner

Tuckettspitze
Ninotta Biwak

Thurwieserspitze
Trafoier Eiswand

Madatschferner
Tuckettspitze

Livriohütte
Sommerskigebiet Stilfserjoch

Geisterspitze (3467m)
Sommerskigebiet Stilfserjoch

Meine heutige Bergtour war etwas kürzer als in den vergangenen Tagen. Ich fuhr mit dem Auto von Prad hinauf auf das Stilfserjoch (2758m) . Hinter Trafoi beginnen dann die endlos vielen Kehren (genau 48 Stück) hinauf auf den Pass. Oben angekommen, erreicht man die Grenze Südtirol - Lombardei. Und kurz hinter dem Stilfserjoch würde man den Umbrailpass erreichen, die Grenze ins schweizerische Engadin.
Ich startete vom Stilfserjoch auf steilem Weg hinauf zur
Dreisprachenspitze (2860m).
Welche drei Spachen sind das genau?
Nun, zum ersten das Deutsche (Südtiroler Dialekt), zum zweiten das Rätoromanische (Engadiner Dialekt) und zum dritten das Italienische (Lombardischer Dialekt). Hier geht’s auch ziemlich stark zu, denn viele wollen zumindest bist dort hinauf wandern. Natürlich auch wegen des
herrlichen Ausblickes auf die Ortlergruppe.
In wenigen Minuten war ich oben, und danach wird der Weg gleich sehr flach. Hier finden sich überall noch
Reste vom 1. Weltkrieg. Alte Mauerreste der Verteidigungsanlagen, alte Konservendosen liegen herum (Ob die wirklich von damals waren? Hier können Sie mehr dazu lesen:).
Die meisten wandern dann auch nur bis hierher oder noch etwas weiter zu einem kleinen Hügel. Hier beginnt dann der eigentliche Anstieg hinauf zur Rötlspitze. Zuerst geht’s noch mal kurz in einen Sattel, um dann steil, aber nur kurz höher wieder anzusteigen. Nun quert man die steile Schuttflanke, auf der man schon manchmal aufpassen muss um nicht abzurutschen. In ein paar Minuten erreichte ich den
Sattel am Piz Cotschen (2924m). Von hier steigt man dann auf dem breiten Rücken der Rötlspitze hinauf zum Gipfel. Oder besser gesagt zum Vorgipfel.
Plötzlich sieht man hier oben noch einen scharfen Einschnitt, um den man ein bisschen herumturnen muss, um dann schließlich den
Gipfel der Rötlspitze zu erreichen.
Natürlich hat man von hier oben einen wesentlich besseren Ausblick als vom Stilfserjoch. Ein richtiges
360°-Panorama!
Gegenüber erhebt sich der mächtige Ortler und bis zum Monte Scorluzzo auch mit starker Vergletscherung. In der Nordrichtung kann der Blick damit natürlich nicht “mithalten”.
Auf jeden Fall ein lohnenswerter Gipfel, den man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man auf dem Stilfserjoch ist!

Nach dem Abstieg zur Passhöhe ging es wieder mit dem Auto zurück ins Tal nach Prad. Danach fuhr ich den Vinschgau talabwärts bis nach Latsch, wo ich meinen nächsten Campingplatz hatte.

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Der 1. Weltkrieg im Gebiet Stilfserjoch / Ortler / Umbrail

Auf der schönen Wanderung zur Rötlspitze kommt man an vielen Informationstafeln vorbei, die den 1. Weltkrieg in der Region Stilfserjoch-Umbrail sehr gut dokumentieren. Den nachfolgenden Text / Bilder habe ich den Informationstafeln entnommen.
Aufgestellt wurden die Tafeln vom VEREIN STELVIO-UMBRAIL 14/18.

© Verein Stevlio-Umbrail, Junkern 325, CH-3537 Eggiwil
www.stelvio-umbrail.ch

Der Frontabschnitt Stilfserjoch
Der Monte Scorluzzo war der strategisch wichtigste Punkt an diesem Frontabschnitt und wurde schon in den ersten Kriegstagen von einer italienischen Patrouille besetzt. Von dort nahm sie die österreichische Passbesatzung im Hotel Ferdinandshöhe unter ständiges Feuer. Bereits 14 Tage nach Kriegsbeginn eroberten die Österreicher die italienische Artilleriestellung am Scorluzzo zurück. Nun errichteten beide Seiten die verschiedenen Frontabschnitte und befestigten sie.
Standschützen aus den umliegenden Orten, Landesschützen und Gendarmeriegruppen neben Rumänen, Serben, deutschen Schwaben und Ungarn, allesamt kaum militärisch ausgebildet, errichteten die österreichische Verteidigungslinie: von der Dreisprachenspitze aus wurde auf italienischem Boden ein 800 m langer Schützengraben erbaut und mit Feldkanonen und Maschinengewehren ausgerüstet, der Ebenferner zwischen dem Scorluzzo (3094 m) und der Naglerspitze (3259 m) wurde ebenfalls befestigt. Die Naglerspitze war als strategisch wichtiger Punkt mit etwa 10 Mann dauernd besetzt. Der Felsrücken, der sich vom Monte Scorluzzo in nördliche Richtung gegen das Stilfserjoch absenkt, wurde mit 4 Kanonen (Batterie »Ferdinandshöhe«) bestückt. Im Laufe der Zeit wurde der Grat vollständig kaverniert, d. h. Stollen und »Keller« wurden aus dem Felsen gesprengt, um die Geschütze und Soldaten gegen Feindfeuer zu schützen.
Die österreichisch-ungarischen Truppen standen einem gut ausgerüsteten und technisch überlegenen italienischen Heer gegenüber. Die Italiener befestigten den Kamm vom Piz Umbrail in südliche Richtung zum Monte Braulio (2980 m) und weiter bis Premadio nördlich von Bormio mit Infanteriestellungen und Artillerie aller Kaliber. Die eigentliche Front begann bei der zu einem großen Fort ausgebauten 4. Cantoniera (Straßenwärterhaus) am Umbrailpass, zog sich quer über das Brauliotal bis zur sogenannten »Roten Kuppe«, einer Erhebung am Nordgrat des Scorluzzo. Sie durchquerte das Val di Vitelli und setzte sich über den Nordgrat des Passo del Ables bis zum Kristallokamm fort.
Dieser Frontabschnitt blieb bis Kriegsende bestehen, 1916 kam die Madatschfront hinzu, 1917 eroberten die Österreicher die Hohe Schneid, die Italiener blieben jedoch bis Kriegsende im Besitz der überaus wichtigen Position auf der Trafoier Eiswand.

Die Ortlerfront im Ersten Weltkrieg
Der Seppl, der Wastl, der Hans, der Peppino, der Valentino, der Sergio mussten sich drei Jahre lang hier oben beschießen, bekämpfen, umbringen. Dabei hatte keiner auch nur geringstes Interesse daran, denn man kannte sich, hatte Kontakte durch den Fremdenverkehr, das Bergsteigen und den Nachbarschaftshandel. Man akzeptierte und respektierte die Kultur des jeweils anderen, ja, man bewunderte und beneidete sich um so manches.
In London, Pans, Berlin und Wien wusste man davon nichts, man war mit imperialistischen und industriellen Großmachtplänen beschäftigt. Dafür bedurfte es einer Neu- und Umgestaltung Europas, einer Auflösung der regionalen kleinräumigen Strukturen zugunsten des “Nationalstaates”.
Wenn auch dem einzelnen Soldaten der Kampf in 3000 m Höhe sinnlos erschien, für Italien ging es darum, die südlichen Alpengletscher und damit die Wasserressourcen sowie die Alpenübergänge als Brücke zwischen Mittel- und Südeuropa zu sichern, um damit die wirtschaftlichen, d.h. industriellen Entwicklungsmöglichkeiten zu forcieren. Die Österreicher verteidigten ihre Heimat.
Bereits 1915 wurden durch den Londoner Geheimvertrag entsprechende Weichen gestellt. die Wasserscheide am Alpenhauptkamm als Grenzlinie zu bestimmen. Die sprachliche, ethnische oder kulturelle Zugehörigkeit der Bevölkerung waren für das Nationalstaatsdenken unbedeutsam.
Nach dem Krieg wurden die Beziehungen zwischen den Menschen der beiden Nachbartäler Veltlin und Vinschgau wiederaufgenommen und neu belebt.
Verfallende Unterstände, umgestürzte Betonsockel, verrostende Konservendosen, vermodernde Holzbalken, Stacheldraht und unzählige Reste von Kriegsmaterial auf den ausapernden Gletschern und Reihengräber mit Totenlisten in den umliegenden Dörfern der Region sind Zeugen des Kriegsgeschehens an der Ortlerfront.

Soldaten wollen versorgt werden - auch auf 3900m Höhe
Die Versorgung der Feldwachen, Stützpunkte und Geschützpositionen stellte die Soldaten aller beteiligten Nationen vor enorme Probleme. Von der Verlagerung der Verteidigungslinie überrascht waren diesbezüglich Anfangs des Krieges auf beiden Seiten weder Planungen noch Transportmittel vorhanden. Insbesondere fehlte es der österreichischen Armee an Material und Erfahrung zum Bau dringend benötigter Transportseilbahnen.
Bis Spätherbst 1915 musste jedes Stück Holz, Verpflegungsgüter und Munition, Waffen und Brennstoffe mit Mannskraft an ihren vorgesehenen Bestimmungsort gebracht werden. So lange es ging, bediente man sich der spärlich vorhandenen Fahrzeuge, transportierte die Güter dann mit der Hilfe von Pferden in die nächste, höchstmöglich gelegene Umladestelle. Trägerkolonnen schliesslich brachten das Transportgut unter kaum vorstellbarem Aufwand an physischer und psychischer Kraft zu den Höhenstellungen.
Ab Herbst 1915 konnten die mit Unterstützung der Soldaten und Offiziere des Deutsche Alpenkorps geplanten und erstellten Transportseilbahnen in Betrieb genommen werden. Dadurch konnte an vielen Frontabschnitten die Versorgung über eine längere Zeit erst ermöglicht werden. Wind und Wetter, Schneefälle und Lawinenniedergänge beeinträchtigten den Betrieb der Seilbahnen immer wieder, so dass die Versorgungslinie häufig unterbrochen wurden.
Trotz der Seilbahnen bedurfte es weiter der Trägerkolonnen. Diese Kolonnen vollbrachten Leistungen, welche bis heute einmalig sind und auch in Zukunft wohl nicht überboten werden. Stellvertretend für alle Leistungen im Abschnitt sei der Transport der Geschütze auf den Ortlergipfel erwähnt. 30 Bergführer und ebenso viele russische Kriegsgefangene transportierten in wenigen Tagen zwei 10.5 cm Kanonen von Sulden zur Payerhütte und ab dieser über den steilen Ortlergrat auf den 3900 Meter hohen Gipfel.
Italiens Soldaten standen vor ähnlichen Herausforderungen. Die Tatsache, dass ihre Versorgungswege alle auf der besonnten Südseite der Höhenzüge lagen, bevorteilte sie besonders im Frühsommer. Während auf der Nordseite noch viel Schnee die österreichische Versorgung erschwerte, konnten die Italiener bereits früh im Jahr notwendige Munition für offensive Aktionen zu ihren Stellungen bringen.
Sowohl die österreichischen als auch italienischen Versorgungskolonnen waren Ziel gegnerischen Feuers. Nebst allen Erschwernissen der Natur musste auch dieser Bedrohung andauernd Rechnung getragen werden. Entsprechend konnte nicht unbedingt der einfachste Zugang als Versorgungsweg benutzt werden.

Das “Lempruch-Lager” am Breitenkamm
An der Dreisprachenspitze und am Weg von der Dreisprachenspitze zum Goldsee, unterhalb des »Breitenkammes«, knapp an der Schweizer Grenze und durch diese »geschützt«, entstanden zwei große Baracken- und Nachschublager.
Die Besetzung des Monte Scorluzzo durch die Österreicher und der geografisch günstige Verlauf der Schweizer Grenze hatten den Bau dieser strategisch wichtigen Einrichtungen in unmittelbarer Nähe des Stilfserjoches ermöglicht. Die Schweizer Armee hatte nämlich das Hotel Dreisprachenspitze (2843 m) besetzt und wachte streng darüber, dass ihr Staatsgebiet nicht von den verfeindeten Truppen als Aufmarschgebiet genutzt wurde und die Geschossflugbahnen neutrales Gebiet nicht kreuzten.
Um das Leben der Besatzung möglichst »bequem« zu gestalten, wurden in mühevoller Arbeit Erholungsräume, ein Kantinenbetrieb, ein Bad, ein gut eingerichteter Hilfsplatz, zahlreiche Menageaufzüge zu den Stellungen und ähnliche Annehmlichkeiten errichtet. Auf der Dreisprachenspitze entstand so ein ganzes, elektrisch beleuchtetes Barackendorf, mit etwa 80 »Hausnummern«. Das Lager am Breitenkamm erhielt den Namen des Rayonskommandanten Oberst »Lempruch«.
Zugleich mit den Lagern errichtete man die ersten Drahtseilbahnen von Trafoi auf die Franzenshöhe und das Stilfserjoch, da die Straße im Winter metertief verschneit und durch zahlreiche Lawinenabgänge unpassierbar war.
Nach Fertigstellung der großen Barackenlager, welche gewaltige Erdbewegungs- und Felssprengungsarbeiten sowie umfangreiche Wegebauten erforderte, war es möglich, die ganze Besatzung an der Front selbst zu konzentrieren. Die Reserve konnte nunmehr von Trafoi auf die Passhöhe verlegt werden.

Der Entscheid, die Verteidigung ÖsterreichUngarns ab Reichsgrenze aufzunehmen, führte als Konsequenz mit sich, dass auch die logistischen Basen auf die Höhenzüge vorverlagert werden mussten. War noch im Mai vorgesehen, mit dem Gros der Truppe auf talnahen Unterkünften zu basieren, rief die Besetzung des Monte Scorluzzo und die damit zusammenhängende Errichtung einer Feldwachenlinie von der Dreisprachen zur Naglerspitze im Juni 1915 nach frontnahen Unterkünften. Unter dem Kommando des Kaiserschützenhauptmanns Bohuslav Kalal wurde am österreichischen Abhang der Dreisprachenspitze ein Trupppenlager für das ungarische Reservebataillon I/29 errichtet.
Bis Spätherbst 1915 musste jedes Stück Holz, jede Rolle Dachpappe und alles weiter notwendige zu Fuss von der Passhöhe auf die Dreisprachenspitze transportiert werden. Im November aber konnte die Transportseilbahn von Trafoi zur Franzenshöhe und weiter auf die Dreisprachenspitze in Betrieb genommen werden, was den Ausbau des Lagers vereinfachte und natürlich beschleunigte. Im August 1916 standen mehr als 100 Baracken. Offiziers- und Mannschaftsunterkünfte, eine Sanitätshilfsstelle, mehrere Bade
stationen, zahlreiche Munitionsdepots, aber auch eine Kapelle und gar ein Kino ermöglichten, der meist von den Frontstellungen zurückkehrenden Truppe, eine erträgliche Ruhe- oder Vorbereitungsphase. Der Umstand der schweizerischen Grenznähe sorgte dafür, dass ein Beschuss des Lagers durch die italienische Artillerie eher unwahrscheinlich war.

Altösterreichs Truppen im Kampfraum Ortler
Bei Kriegseintritt Italiens war Österreich-Ungarns Armee bereits an zwei Fronten im Einsatz. Nahezu alle aktiven Jahrgänge waren gegen Serbien und Russland eingesetzt worden und entsprechend für einen Krieg gegen Italien nicht mehr verfügbar.
So berief sich Österreichs Kaiser auf das, aus dem Jahre 1511 stammende Landlibell Kaiser Maximillians, in welchem Tiroler Schiesswilligen Privilegien zugesprochen wurden für den Fall, dass diese bereit waren, zur Landesverteidigung beizutragen. Je nach Bedrohungslage hatte jeder Gerichtsbezirk eine bestimmte Anzahl bewaffneter Truppen zu stellen.
Durch die spätere Aufstellung regulärer Truppen verloren diese Standschützenformationen vorübergehend an Bedeutung. Im Jahre 1903 jedoch wurden die Tiroler Schützen durch eine Verordnung militarisiert und als Landsturmformationen in die Armee eingegliedert.
45 Standschützenbataillone wurden am 18. Mai 1915 zur Verteidigung Tirols mobilisiert. Nachdem die ohnehin dienstpflichtigen Jahrgänge aber bereits mit der regulären Armee im Einsatz standen, setzten sich die Standschützenformationen mehrheitlich aus nicht mehr - oder noch nicht - sturmpflichtigen Männern und Jünglingen zusammen. 15 jährige Knaben standen gemeinsam mit altgedienten Schützen an der Grenze. Die ältesten Jahrgänge verfügten über Kriegserfahrungen aus dem Jahre 1866 und standen 50 Jahre später wieder an der Front gegen Italien.
Im Einsatzraum Ortler wurden die Schützen aus dem oberen Vinschgau eingesetzt. Die rund 50 Offiziere, 270 Unteroffiziere und 850 Schützen wurden in zwei Standschützenabteilungen bzw. - Bataillone eingeteilt. (Standschützenbataillon Schlanders, und Standschützenbataillon Prad-Stilfs-Taufers). Im Gegensatz zu anderen Landsturmformationen beriefen sich die Standschützen auf das traditionelle Recht, ihre Kommandanten und Offiziere selbständig - jeweils auf drei Jahre - zu wählen.
Die wehrbereite einheimische Bevölkerung also bildete das Rückgrat der Ortlerverteidigung in den ersten Tagen des Krieges.
Weiter standen am Stilfserjoch die Soldaten des Reservebataillons des ungarischen Infanterie-Reserve Regiments 29 während der vier Kriegsjahre im Einsatz. Die Gedenktafel - 1918 initiiert durch den damaligen Rayonkommandanten Freiherr von Lempruch - würdigt die Taten der südungarischen Truppe.
Nicht zu unterlassen ist die Erwähnung der Hochgebirgskompanie Nr. 30, welche ab 1916 an der Front entscheidend zur erfolgreichen Verteidigung des Abschnitts beitrug. Die Besetzung des Ortlergipfels, des Madatschkammes aber auch der Kampf um die Trafoier Eiswand sind mit dieser Kompanie unzertrennlich verbunden.

Das Risiko der Grenznähe - Schweizer Soldaten erleben den Krieg
Auf der Höhe der Dreisprachenspitze treffen sich noch heute drei Kulturen. Bis 1918 war dieser Gipfel nicht nur Treffpunkt dreier Sprachen sondern auch Grenzpunkt dreier Nationen. Dieser Umstand führte dazu, dass wenige Höhenmeter oberhalb des umstrittenen Stilfserjochs die Schweiz im Rahmen ihres bewaffneten Neutralitätsschutzauftrages Truppen auf diesem Gipfel postieren musste.
Zu Beginn des Krieges stand auf der Dreisprachenspitze ein Hotel gleichen Namens. Dieses Hotel - vollständig auf schweizerischem Territorium, aber in österreichischem Privatbesitz - bot die einzige Unterkunftsmöglichkeit für die Truppe entlang der zu sichernden Grenze von der Rötlspitze zur Punta di Rims. Entsprechend nutzten die Soldaten diese Unterkunft ab August 1914 - zu einem Zeitpunkt in welchem sich Italien und Österreich/Ungarn noch nicht im erklärten Kriegszustand befanden.
Im Mai 1915 verschärfte sich die Situation. Die Schweizer Grenzschutzsoldaten standen plötzlich zwischen den Feuerbasen zweier verfeindeter Nationen.
Die österreichischen Einrichtungen und Kampfstellungen lagen bedrohlich nahe der Grenze und bildeten einen magnetischen Anziehungspunkt für italienisches Steilfeuer. Insbesondere das Lempruchlager lag so nahe am schweizerischen Grenzzaun, dass sich Österreicher und Schweizer Soldaten problemlos unterhalten konnten.
Den Umstand der Nähe der schützenden Schweizer Grenze machten sich die Österreicher verständlicherweise zu Nutzen. Ihr Kampfgraben von der Dreisprachenspitze zum Stilfserjoch verlief so nahe der Grenzlinie, dass ein dortiger Aufenthalt einer „Lebensversicherung" gleichgestellt wurde. Entsprechend wurde diese Kampfstellung südlich des Stilfserjochs im Soldatenjargon auch so bezeichnet. Offizielle Dokumente nannten sie den „Schweizergraben" - weniger offizielle sprachen vom „Paradegraben", weil sich darin Frontbesuche höherer Stabsoffiziere, aber auch des Kaisers (September 1917) sicher abwickeln liessen.
Kam es trotzdem zum Beschuss österreichischer Einrichtungen auf der Dreisprachenspitze, lagen auch die Schweizer Grenzschutzsoldaten unter Feuer, welchem sie durch den Bezug eines etwas weiter nördlich liegenden Grabensystems zu entgehen versuchten. Ein Zwischenfall, welchem eine Schweizer Schildwache unmittelbar vor dem Hotel zum Opfer fiel, führte zu einer heftigen Diskussion unter schweizerischen Offizieren aber auch zu einer Reihe von diplomatischen Protestnoten zwischen der italienischen und schweizerischen Regierung. Die örtlichen Schweizer Kommandanten erwogen, den Eckpfeiler auf der Dreisprachenspitze zu räumen, was aber aus neutralitätsrechtlichen Bedenken nicht ausgeführt werden konnte.
Rechtlich betrachtet entsprach nicht nur der Beschuss des Territoriums sondern bereits ein Überschiessen des schweizerischen Hoheitsgebiets einer Verletzung der Neutralität. Entsprechend wurde auf Stufe der Armeeführungen vereinbart, dass auf einen Beschuss österreichischer Stellungen nahe der Grenze zu verzichten sei. Italien stimmte dem Entscheid unter der Voraussetzung zu, dass dieser nur dann eingehalten werde, wenn die Österreicher ihrerseits keine Kampfhandlungen aus dem „Schweizergraben" einleiten oder unterstützen.

Der erste Weltkrieg war der letzte bewaffnete Konflikt, der sich im oberen Veltlin und auf dem Stilfser Joch abspielte. Es sind strategisch sehr wichtige Gebiete, die schon immer von Heeren durchzogen wurden, vor allem in den unruhigen Jahren der Glaubenskriege im 17. Jahrhundert Heute, im Zeitafter der modernen Kriege, die mit Raketen und Panzereinheiten gekämpft werden, scheint es uns beinah unverständlich, daß man sich damals auf den vereisten Gipfeln so beharrlich stritt. Es darf aber nicht vergessen werden, daß im Ersten Weltkrieg zum ersten Mal durchgehend modernere Rüstungen eingesetzt wurden (Maschinengewehre, Flugzeuge, Panzerwagen) und daß es sich doch um den letzten Krieg des 19. Jahrhunderts handelte, der mit Strategien gekämpft wurde, die sich seit den napoleonischen Feldzügen gleich geblieben waren. Das Stilfser Joch war strategisch von vitaler Bedeutung. Die Paßhöhe war eine Art "offenes Tor", zu dem ausserdem eine ausgezeichnete Straße hinaufführte: Für die Italiener war sie der Zugang ins Etschtal und für die Österreicher erschloss sie die reiche Lombardei, in wirtschaftlicher und industrieller Hinsicht die wichtigste Region des damaligen Italiens. Die Paßstraße war auch die Frontlinie der italienischen Truppen, die, wie man sagte, von der Paßhöhe bis zum Meer reichte. Die Schweiz im Norden war schon damals traditionell neutral. Aber was wäre wohl passiert, wenn fremde Truppen durch das Val  Monastero gezogen wären? Das gesamte Verteidigungssystem auf italienischer und auf österreichischer Seite wäre zusammengebrochen. Die Kriegsherren wussten dies auf beiden Seiten und hielten sich daran. Auch die Schweizer wachten an der Grenze, damit das Schlachtfeld nicht auf ihr Gebiet ausgedehnt wurde. Unter diesen Voraussetzungen hätte man erwarten können, daß das obere Volle del Braulio vier Jahre ein Ort # Schlachten gewesen sei. Dies war aber nicht der Fall. Die italienischen Heerführer zogen es aus strategisch unerklärlichen Gründen vor, die italienische Grenzlinie von dem Cima di Rims über den Monte Braulio und die Bocca del Braulio nach dem Passo Abtes zu ziehen. Das Stilfser Joch und der Monte Scorluzzo lagen deshalb ausserhalb des Verteidigungssystems. Der Monte Scorluzzo erhebt sich über der Paßhöhe auf italienischem Staatshoheitsgebiet. Er hätte schon vor Ausbruch der Feindseligkeiten befestigt werden können. Die Osterreicher wussten dies und zogen sich anfänglich vom Paß zurück, weil sie der Ansicht waren, daß dort oben das Spiel bereits entschieden war, bevor es überhaupt begonnen hatte. Sie stellten ihre Verteidigungstruppen weiter talwärts auf, in der Engstelle zwischen Trafoi und Gomagoi. Nachdem es sich aber herausgestellt hatte, daß auf dem Monte Scorluzzo nur vereinzelte Patrouillen herumzogen, rief ein unternehmungslustiger Gendarm zum Angriff auf. Zu seiner ungleichmässig aus Soldaten und Männern des Tiroler Landsturms zusammengesetzten Kolonne gehörten aber auch bewanderte Bergleute und unfehlbare Schützen. Die wenigen Italiener mussten sich zurückziehen. Das Feuer vom Forte di Oga auf dem umkämpften Gipfel und die Gegenangriffe halfen auch nicht mehr viel. Das Unheil war angerichtet worden. Der Monte Scorluzzo und das Gebiet um das Stilfser Joch blieben im ganzen Krieg fest in österreichischer Hand. Glücklicherweise hatten aber die italienischen Heerführer eingesehen, daß es keinen Sinn mehr hatte, sich in blutigen Angriffen "die Köpfe einzurennen" : Aber man zog sich trotzdem nicht zurück. Der Monte Scorluzzo war zu wichtig für die Kontrolle des Volle del  Braulio. Die Soldaten des italienischen Alpini-Korps begannen mit viel Geduld und Energie, in monatelanger und mühseliger Arbeit den Filone del Mot und den Rese zu befestigen, die beiden mächtigen Gräte, die gegen Westen den Berg hinunterführen. Die gut erhaltenen Überreste sind heute ein Denkmalfür diese gloriosen Truppen. Auch an den Befestigungsanlagen der Frontlinie Rims-Braulio-Radisca wurde unermüdlich gearbeitet, weil man sich auf einen Generalangriff vorbereitete, der aber glücklicherweise nie stattfand. Die Kampfgräben, die Unterstände und die Stellungen sind zum Teil noch in tadellosem Zustand erhalten, Zeugen eines Krieges, der heute in Vergessenheit geraten ist und mit ihm der unglaubliche Einsatz, den die Menschen gerade hier im Hochgebirge unter großen Opfern leisteten.

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© Verein Stevlio-Umbrail, Junkern 325, CH-3537 Eggiwil
www.stelvio-umbrail.ch

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Der Nationalpark Stilfserjoch

Der Nationalpark Stilfserjoch erstreckt sich über eine Fläche von 134.620 ha inmitten der Zentralalpen. Er schließt das gesamte Gebirgsmassiv OrtlerCevedale mit seinen Nebentälern ein. Das Schutzgebiet berührt im Norden den Schweizerischen Nationalpark, im Süden den Naturpark Adamello-Brenta im Trentino und den Regionalpark Adamello in der Lombardei. Im Osten befindet sich der Naturpark Texelgruppe.
Es handelt sich beim Nationalpark Stilfserjoch um eines der grössten und interessantesten Schutzgebiete Europas. Die Idee der Unterschutzstellung dieser grossartigen Bergwelt reicht bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts zurück. Ursprünglich wurden 96.000 ha unter Schutz gestellt. Im Jahre 1977 ist der Park auf seine heutige Fläche erweitert worden.
Im Park findet man alle alpinen Formenelemente. Sie reichen vom vergletscherten Hochgebirge (Ortler - 3905 m) über Almen und Hangterrassen bis hinab zu den Talböden (Latsch - 650 m). Im Park liegen ausgedehnte Wald-, landwirtschaftlich genutzte Flächen, sowie ganzjährig bewohnte Berghöfe, Weiler und Dörfer. Es ist leicht nachvollziehbar, dass über Jahrzehnte hinweg unterschiedliche Interessen aufeinanderprallten: einerseits der Wille, die Landschaft zu schützen und unberührt zu erhalten, andererseits Pläne, den technischen Fortschritt auch im Park zu nutzen. Zielsetzung ist eine nachhaltige Entwicklung des Parks, indem man die natürlichen Ressourcen,
Vollständigkeit des Ökosystems, biologische Vielfalt erhält und Wohlstand, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Werte garantiert.
Die Landschaft des Nationalparks ist geprägt durch das Nebeneinander von unberührter Natur- und einer seit Jahrhunderten gepflegten Kulturlandschaft mit Alm- und Forstwirtschaft. Einzigartig ist die Landschaft in eisigen Höhen, wo wir klaren Gletscherseen und sprudelnden Bergbächen begegnen. Ihre wunderbare Vielfalt zeigt sie in allen Höhenlagen.

Die Täler und der Mensch
Von den mächtigen Gebirgszügen, die das Bild des Parks bestimmen, laufen zahlreiche Täler aus, die von der Kraft der vorrückenden und sich zurückziehenden Gletscher gebildet und von Gewässern geformt wurden. Die tieferen Regionen hat der Mensch teilweise in eine Kulturlandschaft verwandelt. Jedes Tal hat seine charakteristischen Eigenschaften. Im Vinschgau sind es vor allem die mächtigen, eiszeitlichen Schuttkegel, die zu den größten der Alpen zählen. Das Martelltal ist ein langgezogenes Hochtal, dessen Talschluss vom Cevedale beherrscht wird. Auf das Trafoital schauen Ortler und andere Gletscherriesen. Das Ultental ist wald- und seenreich wie die Täler von Rabbi und Peio. Letztere sind auch durch ihre Mineral- und Heilwasserquellen bekannt. Auch im Veltlin, in Bormio haben Heiswasserquellen eine grosse Tradition. Durch die wichtigsten Täler des Nationalparks führen seit alters her Verbindungswege, die schon in frühgeschichtlichen Zeiten benutzt wurden. Man nutzte sie bei der Jagd, auf der Suche nach Mineralien oder beim Transport von Waren. Ein solcher bedeutender Verbindungsweg führte von Bormio in Richtung Fraele-Türme, weiter ins Engadin und nach Tirol. An einer Kreuzung zweier wichtiger Handelswege befindet sich das Städtchen Glurns, heute noch von den mittelalterlichen Stadtmauern umgeben.
Entlang der Wege und Straßen entstanden Dörfer und Weiler, von denen - ungefähr im 13. Jahrhundert - die Besiedlung der höheren Bergregionen begann. Deren Nutzung war Voraussetzung, dass die Siedlungen im Tale wachsen und aufblühen konnten.

Flora
Naturfreunde finden im Park eine reiche Blumenwelt, besonders in den Wäldern; Blumenliebhabern aber bietet sich ein ganz besonderer Artenreichtum. Diese faszinierende Vielfalt der alpinen Flora hat ihren Grund im großen Höhenunterschied zwischen dem Talboden und den höchsten Gletscherregionen. Somit lassen unterschiedliche Lebensbedingungen unterschiedliche Pflanzen gedeihen. Zugleich gibt es auch eine große Vielfalt an Böden mit dem entsprechenden Mikroklima. Es wächst somit eine erstaunliche Zahl an Arten, von denen nicht wenige wahre Raritäten sind, wie beispielsweise der Gletscherhahnenfuß, der noch über 3.500 m Meereshöhe wächst, oder die Alpensoldanelle.
Ob Feuchtgebiet oder Felskar, ob Kalkboden oder Silikatboden, beinahe auf jedem Flecken Erde wächst eine bunte Vielfalt von Blumen und Pflanzen: ein wahres Fest für die Sinne.

Fauna
Es gibt keinen Teil des Parks, in dem nicht Exemplare der typischen alpinen Tierwelt zu beobachten sind. Ausgenommen sind die großen Raubtiere wie Bär und Wolf, die vom Menschen ausgerottet wurden. Wir finden Hirschrudel, die dichte Wälder bevorzugen und Rehe, die besonders am Waldrand und auf den Lichtungen zu beobachten sind. Wer höher hinaufsteigt, wird mit Sicherheit Gämsen und in den höchsten Felsregionen auch Steinböcke sichten. Zahlreich sind Füchse, Murmeltiere, Eichhörnchen und Hasen, auch das Hermelin, seltener sind der Dachs und das Wiesel. Auch die Jäger der Lüfte fehlen nicht: Bussard, Sperber und Eulen. Steinadlerpaare nisten in atemberaubend steilen Wänden, und seit einiger Zeit kann man auch wieder den Bartgeier beobachten. Nicht zu vergessen sind die Bewohner von Sümpfen, Teichen und Seen sowie Insekten. Jedes ist Glied in der Nahrungskette der Natur.

Felsen und Bergeshöhen
Vereinfacht dargestellt besteht die alpine Region, zu der auch der Nationalpark Stilfserjoch gehört, aus zwei tektonischen Platten, die in Urzeiten übereinandergeschoben wurden. Gewaltige Kräfte ließen die afrikanische und die europäische Platte aneinanderstoßen und schoben die Erdkruste in die Höhe. Der Gebirgszug der Alpen entstand. So finden wir in verschiedenen Teilen des Parks hauptsächlich metamorphe Gesteinsformationen verschiedener Herkunft, die von diesen Naturkräften in der Tiefe - enorme Hitze und Druck - geformt wurden: beispielsweise die Schiefer im Vinschgau, die Gneisphylladen von Bormio oder der Laaser Marmor. Aber es gibt noch andere interessante Gesteinsformationen, so die Gneise vom Tonalepass mit interessanten Einsprengseln oder den Marmor vom Canètal. Ein eindrucksvolles Glimmerschieferband verbindet das Rabbital mit dem Peiotal; es reicht bis zum Corno dei Tre Signori.
Weiters finden wir Felsen, die überwiegend aus Kalk und Dolomit bestehen. Sie liegen über den Schieferschichten und formen beispielsweise den Gipfelaufbau des Ortlers. Auch im Zebrùtal sind sie gut zu beobachten. Hier hat der Bach sein tiefes Bett genau auf der Trennlinie von Sedimentgestein und metamorphem Gestein eingegraben. Auch Eruptivgestein tritt da und dort zutage. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der „Plutone" von Sondalo, ein markanter Monolith. Aus Granit sind der Rücken der Serottini-Gruppe sowie die Gegend nördlich des Cercen-Passes. Schliesslich lässt sich auch das Vorkommen von Quarzphyllit beobachten, so auf den Bergen zwischen dem Ulten- und dem Martelltal oder am Cevedale.

Gletscher
In einer geologisch gar nicht so fernen Zeit, im Pleistozän, also zwischen 1,5 Millionen und 10.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung, folgten fünf Eiszeiten aufeinander, die ganz wesentlich zur Formung der Landschaft beigetragen haben. Die riesigen Gletscher formten auf ihrem Vormarsch große Talzungen, die in den Ebenen ausliefen. Auf dem Rückmarsch bildeten die Gletscher U-förmige Täler aus, ließen Moränen und Schuttkegel zurück. Im lombardischen Teil des Parks befindet sich die größte Gletscheransammlung der Zentralalpen, und der 13 Quadratkilometer große Forni-Gletscher ist der größte davon. Eine spektakuläre Gletscherregion befindet sich auch im Bereich des Stilfserjoches. Sie ist ein von Bergsteigern und Skifahrern vielbesuchtes Ziel. In den von den Gletschern gebildeten Mulden entstanden besonders reizvolle Seen, Ausdruck vor Ruhe und Harmonie, während die Schmelzwässer weiterhin enorme Mengen an Erde, Sand und Steinen zu Tale befördern.

Wasser
Das Zentrum des Parks bilden ausgedehnte Gletscher. Die enormen Schnee- und Eismengen sind zugleich eine wertvolle Wasserreserve, aus der hundert Quellen, rauschende Bäche, stille Seen und schäumende Wasserfälle gespeist werden. Im trockenen Vinschgau wird das seltene und wertvolle Nass zum Teil noch durch ein uraltes Kanalsystem (Waale) auf die Felder und Wiesen geführt. Bäche und Flüsse, die aus dem Park fließen, führen gerade in der trockenen Sommerzeit das meiste Wasser. Viele von ihnen wurden aufgestaut. Aus der Wasserkraft wird elektrische Energie gewonnen. Längst aber sind auch die Stauseen, deren Wasserspiegel von Tal zu Tal in anderen Farbtönen schillert, ein Stück des Parks geworden.

Kulturlandschaft
In unvorstellbar langen Zeitspannen wurden Gipfel und Täler dieser herrlichen Landschaft geformt. Erst seit wenigen Jahrhunderten greift auch der Mensch entscheidend in die Gestaltung der Landschaft ein. Die Wälder wurden abgeholzt, um Platz für Wiesen und Weiden zu schaffen, die Böden urbar gemacht und eingeebnet, um Ackerbau zu betreiben. Siedlungen wurden errichtet, Saumpfade und Wege angelegt, der Bergbau entwickelte sich, und in den letzten Jahrzehnten wurden schliesslich Stauseen gebaut, um die Wasserkraft zur Elektrizitätsgewinnung zu nutzen. In allen Tälern finden sich Beispiele für weltliche und kirchliche Architektur dieser Pionierzeit. Sägewerke, Mühlen und Hospize, die für die Reisenden errichtet wurden. Sie sind gewissermaßen ein Freiluftmuseum alpiner Architektur, die zumeist der Landschaft angepasst war.

Lebensraum Wald
Die beachtliche Ausdehnung des Parks und die unterschiedlichen Höhenlagen - von 650 m am tiefsten und beinahe 4000 m Meereshöhe am höchsten Punkt - haben die Ausbildung verschiedener Ökosysteme von ganz eigenem Charakter bewirkt. Sie reichen von den Feuchtgebieten im Tal, den Erlenwäldern bis hin zu den Birkenhainen, während sich die Nadelhölzer die Höhen bis auf 2000 m Meereshöhe erobert haben. Fichte und Lärche dominieren in fast allen Gegenden das Landschaftsbild, aber auch die Latschen, die Zirbelkiefer und die seltene Weißtanne. Diese Wälder bilden einen idealen Lebensraum für die Mehrzahl der Tiere, die im Park leben. Darüber hinaus erfüllen sie eine wichtige Aufgabe bei der Regulierung des Wasserhaushaltes. Sie sind eine optimale natürliche Drainage und bilden dadurch einen festen Halt für Humus und Boden. Dadurch ermöglichen sie ein sicheres Siedeln des Menschen bis in hohe Lagen. Schon sehr früh erkannte dieser die Bedeutung der Schutzwälder. Bereits im Mittelalter wurden von den Gemeinden schriftliche Regeln zur Pflege und Nutzung des Waldes festgehalten.

Die Nationalparkverwaltung
Der Nationalpark Stilfserjoch ist mit dem Gesetz Nr. 740 vom 24. April 1935 errichtet worden. Die Verwaltung wurde der staatlichen Behörde für die Domänen übertragen. Die Überwachung und Kontrolle des Gebietes oblag der staatlichen Forstbehörde. 1974 wurden den Autonomen Provinzen von Bozen und Trient weitreichende Befugnisse zur Parkverwaltung übertragen. Die Auflage war, ein Konsortium einzurichten, das die einheitliche Führung des Nationalparks gewährleistet. Nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen wurde 1993 eine Neuorganisation der Nationalparkverwaltung erreicht. Das Konsortium setzt sich aus vier verschiedenen Organen zusammen, die seit Oktober 1995 ihre Tätigkeit ausüben. Der Nationalparkrat setzt die Regeln fest, nach denen der Park einheitlich geführt wird. Die ordentliche und ausserordentliche Verwaltung sind den jeweiligen Führungsausschüssen und Außenämtern übertragen. Die Überwachung und die Kontrolle sind in der Lombardei der staatlichen Forstbehörde übertragen, während sie im Parkgebiet in den Autonomen Provinzen von Bozen und Trient von der Landesforstbehörde wahrgenommen werden.

Lieber Besucher!
 • Die Fahrverbote sind zu beachten, unnötiger Autoverkehr ist zu vermeiden.
 • Im Parkgebiet ist das Zelten verboten.
 • Respektieren Sie die Stille des Parks.
 • Hunde gehören an die Leine.
 • Wege und Rastplätze sind sauber zu halten. Die Abfälle sollen vermieden bzw. nach Hause mitgenommen werden.
 • Nist- und Brutplätze, sowie die Nahrungsquellen der Tiere brauchen einen besonderen Schutz: Jede Belästigung, Zerstörung oder Beschädigung sollte vermieden werden.
 • Das Sammeln von Mineralien und Versteinerungen ist ohne Erlaubnis des Parks nicht erlaubt.
 • Besonders streng wird das Anzünden von Feuer geahndet. Aus Unachtsamkeit können große Schäden verursacht werden.
 • Die Parkeinrichtungen dienen der Information und der Erholung vieler Besucher. Beim Wandern sollten ausschliesslich die markierten Wege benutzt werden.
 • Jeder kann mithelfen, die Schönheit dieses Gebietes zu erhalten! Verstöße werden von der beauftragten Aufsichtsbehörde streng geahndet.
 

Informationen und Copyright:
Hauptsitz:
Consorzio del Parco Nazionale dello Stelvio
Via Roma 26 - 23032 Bormio - SO

Aussenamt:
Führungsausschuss für die Autonome Provinz Bozen-Südtirol
Rathausplatz 1 - 39020 Glurns - BZ

© Bilder und Text aus: Nationalpark Stilfserjoch, Ausgabe 2003
www.stelviopark.it

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Ein selbstgedrehtes Videos während meiner Bergtour auf die Rötlspitze

Video vom
Gipfel der Rötlspitze (Ortlergruppe)

 

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Piz Sesvenna, 3205m
Sesvennahütte, 2256m

Hasenohr, 3256m
Blaue Schneid, 3030m

Letzte Aktualisierung der Seite am :
Saturday, 12. September 2015
 

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