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Übersicht meiner Bergtouren und Bergwanderungen
zu meiner Bahnfahrt auf das Jungfraujoch
Trennlinie

am Jungfraujoch
in den Berner Alpen.
Jungfraujoch
3454m

Fotos: © Christian Engl

Jungfraujoch, 3454m
Sphinx, 3571m
(Berner Oberland, Wallis)
17./18. August 2011

Wetter: sonnig

an der Sphinx am Jungfraujoch
in den Berner Alpen.
Sphinx
3571m

Umgebung Kleine Scheidegg - Jungfraujoch
Nachgezeichneter Ausschnitt aus
KOMPASS Wanderkarte 84
Jungfrau-Region
(Thunersee-Brienzersee)

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Hier können Sie
meine Bergtour als PDF-Datei
herunterladen und auf Ihrer Wanderung mitnehmen.


BT-CH-2011-Jungfraujoch auf einer größeren Karte anzeigen 

Start

Kleine Scheidegg, 2061m

Ziel

Jungfraujoch, 3454m - Sphinx, 3571m (Berner Alpen)

Charakter

Reine Bahnfahrt mit der Jungfraubahn ab Kleine Scheidegg.

Höhenunterschied

Kleine Scheidegg - Jungfraujoch: 1393m

Fahrzeit

Bahnfahrt (Dauer: 52 Minuten ab Kleine Scheidegg)

Streckenbeschreibung
Morgens auf der Bergfahrt und nachmittags auf der Talfahrt können Wartezeiten entstehen und sehr volle Züge!

Zugfahrt ab Kleiner Scheidegg.
An jeder Station während der Bergfahrt wird für ca. 5 - 10 Minuten ein Stopp eingelegt.

Kleine Scheidegg - Eigergletscher (2320m): Länge: 2 km
Eigergletscher - Eigerwand (2865m): Länge: 2,3 km
Eigerwand - Eismeer (3160m): Länge: 1,4 km
Eismeer - Jungfraujoch: Länge: 3,6 km
Streckenlänge gesamt: 9,34 km

Huettengrafik
Jungfraubahnen
Tel.: +41-(0)338287233, Harderstrasse 14, CH-3800 Interlaken (Schweiz)
www.jungfrau.ch

Trennlinie

Ein paar Bilder während der Bergtour / Bahnfahrt.
(Für eine größere Version auf das Bild klicken)

Die Jungfraubahn an der Kleinen Scheidegg
(Hier finden Sie Informationen über den Bau der Jungfraubahn)

Jungfraujoch
Fahrt mit der Wengernalpbahn von
Lauterbrunnen zur Kleinen Scheidegg
.
Rechts oben das Ziel der Bahnfahrt:
Das Jungfraujoch (3454m)

Jungfraubahn
Die roten Züge der Jungfraubahn.
Links oben die Jungfrau (4158m).

Führerstand
Aufgenommen im Tunnel.

Jungfraubahn
Mit Bildschirmen für die Unterhaltung
und Information
während der Fahrt.

Persönliches Fazit:

Nach meinem Abstieg von der Guggihütte kam ich um kurz vor 14.00 Uhr an der Kleinen Scheidegg an. Ich entschied mich, den Zug um 15.00 Uhr zum Jungfraujoch zu nehmen. So hatte ich noch ein wenig Zeit. Unter anderem suchte ich die Eiger Nordwand ab. Ich wollte die Fenster von hier unten entdecken, durch die ich gleich selbst in die Eiger Nordwand schauen werde. Und ich habe sie tatsächlich entdeckt (siehe Bild unten).
Die Züge kamen in einer 3-er Gruppe vom Jungfraujoch herunter. Mit ca. zwei Minuten Zeitabstand.
Und die Züge waren alle
prall gefüllt mit Menschen. Sogar in den Gängen und bei den Türen
gab es vermutlich keinen (Steh-)Platz mehr.
Als ich den Zug betritt war genau das Gegenteil der Fall. Die Züge (wieder in einer 3-er Gruppe) waren nur noch recht
spärlich besetzt und so hatten die Reisenden und ich viel Platz um die Fahrt zu geniessen.
Die Abfahrt verspätete sich um knapp 15 Minuten.
Der
nächste Halt ist die Station Eigergletscher in 2320m Höhe.
Dieser Abschnitt wurde am 19. September 1898 in Betrieb genommen.

Trennlinie

Fahrt mit der Jungfraubahn
Strecke Eigergletscher (2320m) - Eigerwand (2865m)

Eigergletscher
Links die Züge die vom Jungfraujoch kommen.
Und ich musste warten bis sie da waren.

Eigerwand (2865m)
Ankunft in der ersten Station im Bahntunnel.

Tunnel am
Eigergletscher
Gleich hinter dem Eigergletscher fährt die
Bahn in den 7 Kilometer langen Tunnel ein.

Schwarzhorn
Eiger Nordwand
Und hier kann man dann selbst
einmal die Eiger Nordwand hinabschauen.

Fenster in der
Eiger Nordwand
Von diesen Fenstern aus kann man
selbst den Blick in die Nordwand wagen.

Eiger Nordwand
Der Blick hinab zum Wandfuss.
Unten die Trasse der Wengernalpbahn.
(Grindelwald - Kleine Scheidegg)

Hier am ersten Halt am Eigergletscher (und allen weiteren Stationen) müssen die Züge sich gegenseitig passieren lassen. Nach der Weiterfahrt ist es erst einmal vorbei mit dem schönen Gebirgspanorama.
Man fährt in den
7 Kilometer langen einspurigen Tunnel ein. Jetzt kann man sich die Informationen auf den Bildschirmen im Zug ansehen. Man erfährt was einem am nächsten Halt erwartet. Und das ganze in vielen Sprachen, bei denen man sich teilweise ein Lachen nicht verkneifen kann. Vor allem eine der letzten Sprachen (Japanisch, chinesisch oder  koreanisch?) nötigte den meisten im Zug ein Lachen ab. Hörte sich die Sprecherin doch sehr jugendlich an...
Auf jeden Fall sehr lustig....
Man erfährt das man an der
Station Eigerwand (2865m) fünf Minuten Aufenthalt hat. Hier ist natürlich der Blick aus den Fenstern schon sehr beeindruckend. Wird man doch normalerweise andernfalls niemals selbst erleben können. Denn sonst müsste man selbst durch diese finstere Wand aufsteigen...
Was aber natürlich die Aussicht noch wesentlich mehr steigern würde!!
Dieser Tunnelabschnitt wurde am 28. Juni 1903 in Betrieb genommen.

Trennlinie

Fahrt mit der Jungfraubahn
Strecke Eigerwand (2865m) - Eismeer (3160m)

Eismeer (3160m)
Ankunft in der zweiten Station im Bahntunnel.

Mittellegihütte
Links oben am Mittellegigrat zum Eiger
steht die Mittellegihütte (3355m).

Fieschergletscher
Der stark zerklüftete Fieschergletscher.
Hinten der Ochs (3900m) und das Gr. Fiescherhorn (4049m).
Rechts der Walchergrat.

Mittellegihütte (3355m)
Auf dem Mittellegigrat zum Eiger.

Fieschergletscher
Hinten sieht man
das Schreckhorn (4078m) und Lauteraarhorn (4042m).

Station Eismeer
Nach 5 Minuten Haltezeit geht es
weiter zur letzten Station am Jungfraujoch.

Nach weiteren 2,3 Kilometer Fahrt im Tunnel erreicht man den nächsten Bahnhof Eismeer (3160m). Hinter dem Bahnhof Eigerwand macht der Zug einen Kurve und fährt in Richtung Süden zum Bahnhof Eismeer.
Man steigt hier wieder aus dem Zug aus und geht durch kurze Tunnels zu den Aussichtsfenstern.
Hier ist nun die
Aussicht gänzlich anders als von der Eigerwand. Sah man dort noch in die fast senkrechte Eigerwand hat man hier am Eismeer den wild zerklüfteten Fieschergletscher vor sich.
Im Hintergrund ragen das
Schreckhorn (4078m) und daneben das Lauteraarhorn (4042m) in die Höhe.
Rechts steigt der spaltenreiche Fieschergletscher zum Walchergrat an. Auf der linken Seite sieht man den
Mittellegigrat, der hinauf zum Eiger (3970m) führt. Auch sieht man dort am Grat die Mittellegihütte (3355m).
Eine wilde und dramatische Hochgebirgslandschaft im
UNESCO Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.
Dieser Tunnelabschnitt wurde am 28. Juli 1905 in Betrieb genommen.

Trennlinie

Fahrt mit der Jungfraubahn
Strecke Eismeer (3160m) - Jungfraujoch (3454m)

Übersichtskarte
Jungfraujoch
Hier sehen Sie die einzelnen Gebäude
und Stationen auf dem Jungfraujoch
(Meine Stationen habe ich farbig eingezeichnet)

Am Jungfraufirn
Oben auf der Felsspitze steht die Sphinx (3571m).
Links Rottalhorn (3969m) und Jungfrau (4158m).

Bahnhof Jungfraujoch
Wegweiser am Jungfraujoch.
Die Farben beziehen sich auf die unterschiedlichen Ebenen.

Jungfraufirn
Rechts der Trugberg (3933m).
Im Einschnitt links steht die Mönchsjochhütte (3657m).
(Oberes Mönchsjoch, 3627m)
.

Ausgang zum Gletscher
Ausgang zum Jungfraufirn.
Hier beginnt der Weg über den
Gletscher zur Mönchsjochhütte (3657m)
.

 Mönchsjochhütte
Mein letztes heutiges Ziel.
(Übernachtung auf der Mönchsjochhütte).
Man benötigt eher eine Stunde Gehzeit.

Jetzt hat man den letzten Abschnitt vor sich. Vom Eismeer fährt man jetzt die letzten 3,6 Kilometer hinauf zum Bahnhof am Jungfraujoch. Er ist bis heute der höchstgelegene Zugbahnhof Europas in einer Höhe von 3454m.
Die ganze Station wurde in mehreren Ebenen angelegt und immer weiter ausgebaut. Man muss sich zuerst einmal orientieren an den grossen Wegweisern. Um 16.20 Uhr nachmittags kam ich dort oben an.
Ich stärkte mich zuerst noch kurz im Restaurant bevor ich mich zum
Gletscherausgang Jungfraufirn begab. Die Besichtigung der Station Jungfraujoch (3454m) hatte ich mir für den nächsten Tag vorgenommen.
Jetzt machte ich mich
auf den Weg zur Mönchsjochhütte (3657m) .
Dieser Tunnelabschnitt wurde am 1. August 1912 in Betrieb genommen.

Trennlinie

Auf dem Jungfraujoch (3454m)
Ausblicke von der Sphinx (3571m)

Jungfrau (4158m)
Links unter der Jungfrau der Rottalsattel (3885m).
(Normale Route zur Jungfrau)
Links daneben das Rottalhorn (3969m).

Jungfraufirn
Konkordiaplatz
In der Mitte der Konkordiaplatz (2799m).
Dahinter der Grosse Aletschgletscher.
Rechts das Aletschhorn (4193m).
Links das Fiescher Gabelhorn (3876m).

Temperatur
Aktuelle Temperatur und
Windgeschwindigkeit
an der Sphinx.

Jungfraufirn
Der Weg führt hinauf in das Obere Mönchsjoch (3627m)
-> Mönchsjochhütte (3657m)

Jungfrau (4158m)
Unten sieht man die Sphinx-Terrassen.
Die Spur nach links führt zum Rottalsattel -> Jungfrau.

Guggigletscher
Blick zur Kleinen Scheidegg (2061m).

Mönch (4107m)
Südseite des Mönch.
Links der Mönchs-Nollen (schwieriger Aufstieg).
Rechts über den Grat der Normalaufstieg.

 Guggihütte
Die kleine Guggihütte (2791m) klebt
am Felsgrat über dem Guggigletscher.

Video vom Jungfraujoch - Sphinx (3571m) (Berner Alpen)

 

Der Besuch der Sphinx (3571m, Observatorium und meteorologische Forschungsstation) oberhalb des Jungfraujochs gehört sozusagen zum Pflichtbesuch. Um dort hinzukommen muss man unten in den Verbindungsgängen des Jungfraujochs in einen Aufzug einsteigen und rast dann 100 Meter in die Höhe.
Auf der Aussichtsterrasse hat man nun eine
fantastische Aussicht über die herrliche Gletscherwelt. Der lange Gletscher vor dem Besucher ist das Jungfraufirn, welches hinab zum Konkordiaplatz (2799m) fliesst. Dort treffen dann noch drei weitere Gletscher zusammen (Ewigschneefeld, Grosser Aletschfirn und Grüneggfirn). Alle zusammen fließen nun als der Grosse Aletschgletscher in das Tal hinab.
Der Grosse Aletschgletscher ist der
grösste und längste Gletscher der Alpen. Seine Länge beträgt ca. 23,1 km. Der Grosse Aletschgletscher entwässert am Schluss in die Rhone und liegt zur Gänze im Kanton Wallis.
Er ist ferner Teil des
UNESCO Weltnaturerbes Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.
Auch der Blick zur
Jungfrau (4158m) und zum Mönch (4107m) sucht seinesgleichen. Man kann dabei Bergsteiger beobachten, die hinauf in den Rottalsattel (3885m) steigen und von dort auf die Jungfrau.
Im Nordwesten fällt der Blick hinab zum
Guggigletscher und zur Kleinen Scheidegg. Wer genau sucht sieht auch die Guggihütte (2791m) auf den Felsen.
Weiter hinten kann man weit ins Berner Oberland sehen.

Auf dem Jungfraujoch (3454m)
Ausblicke von den Sphinx-Terrassen

Jungfrau
Hier sieht man grosse Teile
vom Normalweg zur Jungfrau.

Rottalsattel (3885m)
Die Bergsteiger gehen nach
rechts hinauf zum Jungfraugipfel (4158m).

Sphinx (3571m)
Hinten sieht man noch den Trugberg (3933m).

Jungfraufirn
Blick zum Konkordiaplatz (2799m).
Dort treffen vier Gletscher zusammen und
fliessen als Grosser Aletschgletscher ins Tal.

Fiescher Gabelhorn
(3876m)
Blick von den Sphinx-Terrassen.

Konkordiaplatz
(2799m)
Rechts hinten fliesst der längste und grösste Gletscher
der Alpen
23 Kilometer hinab ins Tal.
(NICHT der grösste Gletscher Europas!)

Sphinx
Blick hinüber zu den Sphinx-Terrassen.
Hier stehe ich unten am Fuss der Mathildenspitze.

Sphinx
Blick hinüber zu den Sphinx-Terrassen.
Hier stehe ich unten am Fuss der Mathildenspitze.

Eiger (3970m)
Mönch (4107m)
Den Eiger sieht man von
den Sphinx-Terrassen übrigens nicht.

Eiger (3970m)
Mönch (4107m)
Der Eispanzer links unter dem Mönchgipfel ist der Mönchs-Nollen.
Hier führt ein schwieriger Weg auf den Mönch.

Berner Oberland
Fernblick in das Berner Oberland.

Wer die Aussicht nicht nur von der Sphinx geniessen will sollte sich auf den Weg zu den sog. Sphinx Terrassen machen. Dazu geht man am Eispalast vorbei und betritt kurz darauf das Freie durch eine Tür.
Hier oben hat man wieder eine herrliche Aussicht, vor allem auf
die
Jungfrau und den Anstieg auf den Gipfel über den Rottalsattel.
Wer von hier auch den Eiger sehen will muss etwas in Richtung Mathildenspitze gehen. Dann kommt
der Eiger hinter dem Mönch hervor und sie stehen wie zwei Brüder nebeneinander.
Der Blick schweift auch von hier über das Jungfraufirn und weiter zum
Grossen Aletschgletscher.
Man liest oft die (falsche) Behauptung, der Aletschgletscher sei der grösste Gletscher Europas.
Der
grösste Gletscher Europas (volumenmäßig) ist der Vatnajökull auf Island.
Er hat eine Größe von 8100 km² und ein Volumen von ca. 3000 km³.
Der
Austfonna auf Spitzbergen hat eine Größe von 8105 km², aber nur ein Volumen von 1900 km³.
Im Vergleich dazu kommt der Grosse Aletschgletscher nur auf
eine Fläche von 85 km².

Auf dem Jungfraujoch (3454m)
Der Eispalast

Der Zugang
Der eisige und kalte Zugang zum Eispalast.

Die Gänge
In den Verbindungsgängen.

Die Gänge
Und die sehr engen Gänge.

Skulpturen aus Eis.
Skulpturen aus Eis.
Skulpturen aus Eis.
Skulpturen aus Eis.

Wenn man wieder zurück geht sollte man auch dem Eispalast einen Besuch abstatten.
Man erreicht ihn über einen
recht langen Zugangsstollen auf eisigem Boden. Dort unten im Eis kann man dann
schöne Eisskulpturen sehen und sich durch teilweise sehr enge Eisgänge zwängen.
Doch Vorsicht: Der Boden ist blankes Eis, man könnte dort
unten problemlos Schlittschuhlaufen .

Trennlinie

Die Jungfraubahn - Ein Pionierwerk feiert Geburtstag

Im Jubiläumsjahr 2012 feiert die Jungfraubahn ihren 100. Geburtstag. Noch heute gilt die höchstgelegene Bergbahn Europas als Weltwunder der Eisenbahntechnik und zieht jährlich Hunderttausende von Besuchern aus aller Welt an. Doch wie kam es dazu, dass ein solches Projekt mit den damaligen einfachen Mitteln realisiert werden konnte?

Kühne Gipfelstürmer

Nachdem 1868/69 die erste Zahnradbahn der Welt auf den Mount Washington im US-Staat New Hampshire eröffnet wurde und 1871 die Vitznau-Rigi-Bahn als erste europäische Zahnradbahn ihren Betrieb aufnahm, begann der Bergbahnbau in der Schweiz zu boomen. Auch für den Bau einer Bahn zur Jungfrau wurden verwegene Ideen entwickelt, utopische Pläne entworfen und verschiedene Konzessionsgesuche eingereicht. Doch zunächst fehlten zur Ausführung die technischen und finanziellen Mittel. Zudem musste gemäss behördlicher Auflage der Nachweis erbracht werden, dass für Bauarbeiter und Passagiere in dieser grossen Höhe keine gesundheitlichen Schäden drohen würden.

1893: Vision, Planung und Konzession

In seinem Taschenbuch skizzierte Adolf Guyer-Zeller
die Idee zum Bau der Jungfraubahn.
(Klick -> größeres Bild)
Am 20. Juni 1893 eröffnete die Wengernalpbahn ihren Betrieb. Zwei Monate später stand der Zürcher Industrielle Adolf Guyer-Zeller während seines Ferienaufenthaltes auf der gegenüberliegenden Talseite und beobachtete, wie die rauchenden Züge die Kleine Scheidegg erklommen. Das Betrachten dieses Schauspiels offenbarte ihm auf einmal die ideale Lösung für den Bau der Jungfraubahn. Sie sollte nicht vom Tal, sondern von der Kleinen Scheidegg ausgehen! In der folgenden Nacht sass Guyer-Zeller im Kurhaus von Matrei über seinem Notizbuch und skizzierte seine Gedanken. Er mass dieser Bleistiftskizze so grosse Bedeutung zu, dass er folgenden Vermerk darauf anbrachte:
“11 - 1.30 Uhr nachts, Zimmer Nr. 42, Kurhaus, 27./28. August 1893. G.-Z.”
Bereits am 20. Dezember 1893 bewarb er sich um eine Konzession für eine elektrische Zahnradbahn, die an der Bahnstation der Wengernalpbahn auf der Kleinen Scheidegg beginnen und in einem Tunnel durch das Massiv von Eiger und Mönch bis hinauf auf den Gipfel der Jungfrau führen sollte. Um die Finanzierung des ehrgeizigen Projektes sicherzustellen, gründete Guyer-Zeller kurz darauf eine eigene Bank. Ein Jahr später, am 21. Dezember 1894, erteilte der Bundesrat die Konzession, zunächst allerdings noch mit Vorbehalten verbunden.

1896: Baubeginn

Kleine Scheidegg mit Eiger und Mönch.
Ansicht von 1904.
Nach einer ganzen Reihe von aufwendigen Vorarbeiten erfolgte am 27. Juli 1896 der Spatenstich zum Bau der Jungfraubahn. Das Gelände zwischen Kleiner Scheidegg und Eigergletscher glich während der Bauzeit einem Heerlager. Hunderte von Arbeitern trotzten dem Berg in mühsamer Handarbeit die Bahntrasse ab. Am 19. September 1898 konnte der Betrieb auf der im freien Gelände verlaufenden Strecke vom Bahnhof Kleine Scheidegg bis zur Station Eigergletscher am Fusse des Eigers eröffnet werden. Zur Einweihung hielt der Grindelwalder Gletscherpfarrer Gottfried Strasser eine ergreifende Bergpredigt.

 

 

1898: Jedes Jahr eine Station mehr

Die Station Eigergletscher wurde 1898 eröffnet.
Station Eigerwand mit Restauration in Betrieb ab 1903.
Guyer-Zellers genialer Plan sah vor, jedes Jahr eine weitere Station zu erreichen und so schnell wie möglich einzurichten. Dieses Vorgehen gestattete ihm, den Bau etappenweise zu finanzieren und durch den Bahnbetrieb gleichzeitig Einnahmen zu erzielen. Im Innern des Berges ging die Arbeit zügig voran. Den ersten Rückschlag brachte jedoch der
26. Februar 1899: Ein Unfall beim Sprengen kostete sechs italienischen Arbeitern das Leben. Trotzdem erfolgte kurz darauf der Durchstich bei der Station Rotstock. Kaum einen Monat später trat der grösste Schicksalsschlag in der Bauphase ein, als Adolf Guyer-Zeller am 3. April 1899, knapp 60-jährig, in Zürich einer Lungenentzündung erlag. Nun mussten seine Erben den Bau fortführen. Zwar wurde die Station Rotstock ab 2. August 1899 bedient, doch der Vortrieb am Tunnel blieb vorübergehend eingestellt. Erst vier Jahre später, nach einer schwierigen Zeitspanne mit zwei Streiks, einem Wechsel in der Bauleitung und einer Explosion in einem Dynamitlager, die zwei Tote forderte, konnte am 28. Juni 1903 der Betrieb bis zur Station Eigerwand eingeweiht werden. Von nun an durften die Reisenden den abenteuerlichen Ausblick über dem Abgrund mitten aus der Eigernordwand geniessen.

1905: Eismeer als vorläufige Endstation

Eismeer war von 1905 bis 1912 Endstation
und touristisches Zentrum der Jungfraubahn.
Zwei Jahre später, am 28. Juli 1905, wurde die Strecke bis zur Haltestelle Eismeer auf 3160 Metern über Meer in Betrieb genommen, und den Gästen eröffnete sich eine wunderbare Aussicht auf die bizarre Gletscherwelt. An der Station Eismeer befand sich das vorläufige Touristenzentrum der Bahn, bis das zusätzlich benötigte Geld für den Weiterbau bereitstand. Aufgrund der knapp gewordenen Finanzmittel und des Todes von Adolf Guyer-Zeller wurden die ursprünglichen Pläne abgeändert. Statt unter dem Mönchsjoch eine Haltestelle einzuplanen und die Bahn bis zum Gipfel der Jungfrau zu führen, wurde das Jungfraujoch als Endstation bestimmt. Es dauerte ein Jahr, bis die notwendigen Mittel bereitstanden. Und auch dann ging es nur langsam voran. Der Fels leistete Widerstand, im Sommer nahm sich der Gewinn bringende Personenverkehr den Vortritt und im Winter versiegte zeitweise das Wasser, mit dem im Tal der Strom für die Bahn und die Maschinen erzeugt werden musste.

1908: Streik und Unglück

Die harten Bedingungen auf dieser höchsten Baustelle Europas zehrten an den Kräften der Arbeiter. Spannungen und Opposition gegen das Unternehmen entwickelten sich, was sich schliesslich am 3./4. September 1908 in einen Streik steigerte. Dann ereignete sich erneut ein schweres Unglück. Im nahe der Station gelegenen Sprengstofflager explodierten am 15. November desselben Jahres auf ungeklärte Weise 30 Tonnen Dynamit. Die Detonation soll bis nach Deutschland  zu hören gewesen sein. Glücklicherweise blieb es dieses Mal jedoch bei Sachschaden.

1912: Jungfraujoch-Top of Europe

Jungfraujoch - Top of Europe
Das Haus über den Wolken wurde 1924 eröffnet.
Neun Jahre später als ursprünglich geplant, am 21. Februar 1912, gelang endlich der Durchschlag bei der Endstation Jungfraujoch. Eine überwältigende Szenerie breitete sich vor den Augen der Arbeiter aus: strahlender Sonnenschein, der tiefblaue Himmel und ein unbeschreiblicher Fernblick über den Grossen Aletschgletscher und über die Gipfel rundum.
Als Europas heute noch höchstgelegener Bahnhof am 1. August 1912 auf 3454 Metern über Meer eröffnet wurde, waren statt der erwarteten sieben ganze 16 Jahre vergangen. Der Jungfraugipfel blieb aus mancherlei Gründen unerreicht. Der Erste Weltkrieg und die folgenden Krisenjahre brachten andere Sorgen, zudem standen unüberwindbare finanzielle Hürden im Weg, und schliesslich bot der Berggipfel nicht genügend Platz, um darauf eine hinreichend grosse Anlage für Tausende von Besuchern zu bauen. So wurde die letzte Etappe von Guyer-Zellers Plänen nie verwirklicht.

 

Der Erbauer der Jungfraubahn

Adolf Guyer-Zeller
(1. Mai 1839 - 3. April 1899)
Als weitblickender und tatkräftiger Schöpfer der Jungfraubahn ist Adolf Guyer-Zeller in die Geschichte des schweizerischen  Verkehrswesens eingegangen.
Ein Zeitgenosse beschreibt ihn kritisch:
“Voll kühnen Wagemuts trug Guyer-Zeller sich stets mit grossen Plänen... Seine merkwürdig komplexe Natur vereinigte kalte Rücksichtslosigkeit, wo es seinen Willen und seine Ziele durchzusetzen galt, mit einem kinderweichen Gemüt und tiefreligiösen Bedürfnissen.”  S. Zurlinden
Er galt als Abenteurer und Künstlernatur gleichzeitig.
Adolf Guyer-Zeller war Textilfachmann, hatte die Welt bereist und die väterliche Spinnerei erfolgreich ausgebaut. Zweimal gehörte er als liberaler Politiker dem Zürcher Kantonsrat an. Er investierte damals in spekulative Eisenbahnaktien und verdiente an der Gotthardbahn wie auch bei der Nordostbahn, in deren Verwaltungsrat er im Jahre 1892 Einsitz nahm. Im Jahre 1894 erteilte ihm die Bundesversammlung die Konzession für den Bau der Jungfraubahn. Sie ist zweifellos der Höhepunkt im Leben dieser vom Fortschritt der Technik überzeugten Persönlichkeit. Sie führt noch heute Tausende an die Schönheiten des Hochgebirges heran und eröffnet der Wissenschaft nach wie vor einzigartige Perspektiven.

Elektrizität

Als der Bau der Jungfraubahn geplant wurde, steckte die elektrisch betriebene Zugförderung noch in den Kinderschuhen. Erste Versuche fanden auf der Strasse statt. Im Jahre 1888 fuhr die erste Tram. Dennoch setzten die Erbauer der Jungfraubahn von Anfang an auf Strom. Vier Gründe waren ausschlaggebend:
- Billiges Wasser stand in grossen Mengen zur Verfügung
- Das leichte Gewicht der Maschinen war auf der steilen Strecke von Vorteil
- Dampfbetrieb im Jungfraubahn-Tunnel wäre unmöglich gewesen
- Reisen ohne Rauch erhöhte den Komfort

Strom wurde und wird in allen Phasen des Baus und des Betriebs eingesetzt. Strom diente:
- Für den Antrieb der Bohrer, für die Belüftung und Beleuchtung des Tunnels
- Zum Kochen und zum Heizen der Unterkünfte
- Zum Schneeschmelzen für das Gewinnen von Trinkwasser

Die Jungfraubahn produziert ihren Strom seit Beginn der Arbeiten am Tunnel selber. Das Kraftwerk Lauterbrunnen nahm den Betrieb im Tal auf, als oben am Berg die erste Betriebsstrecke von der Kleinen Scheidegg zum Eigergletscher eröffnet wurde. Später kam - im Verbund mit anderen Bahnen - das Kraftwerk Burglauenen dazu. Seit 1923 wird das Netz im Verbund mit den Bernischen Kraftwerken betrieben. Heute sind die Triebwagen selber noch kleine Kraftwerke. Die Bremsenergie wird in Strom umgesetzt und in die Fahrleitung zurückgegeben. Drei Züge auf Talfahrt ziehen so einen vierten den Berg hoch. Die gesamte Energieeinsparung beträgt total
etwa 15 bis 20%.

Bauarbeiten und Bauarbeiter

Die Bauarbeiten für die Jungfraubahn waren auf sieben Jahre, die Kosten auf 10 Mio. Schweizer Franken veranschlagt worden.
Nach 16 Jahren und rund 15 Mio. Franken Aufwand war das Jungfraujoch erreicht. Hier war Endstation. Extreme Umweltbedingungen, technische Probleme und Versorgungsengpässe hatten die Bauzeit in die Länge und die Kosten in die Höhe gezogen. Die Strecke Jungfraujoch-Jungfrau bestand und besteht nur mehr aus Plänen. Basislager für die Arbeiter war eine Niederlassung am Nordrand des Eigergletschers. Bis zu 300 Personen lebten zeitweilig in den Häusern und Baracken. Für die Arbeiter war umfassend gesorgt. Im Winter war die Siedlung <Eigergletscher> von der Umwelt abgeschnitten. Für diese Zeit mussten die Vorräte im Herbst herangeschafft werden. Für den Winter waren dies:
- 12 t Mehl
- 15 hl Wein (pro Tag und Arbeiter fast ein Liter)
- 2 t Kartoffeln (für die Schweizer)
- 800 kg Makkaroni (für die Italiener)
- 3000 Eier
- 400 kg Kaffee
- 50 000 Zigarren
- 4 t Fleisch
- 30 t Kohle zum Backen und für die Werkzeugschmiede

Die verderblichen Waren wurden in Spalten des Eigergletschers eingelagert.

Bilder und Texte aus:
Flyer “Zwischen Himmel und Erde”
Jungfrau Magazin Edition 2011/12, 27. Jahrgang
© Herausgeber: Jungfraubahnen, Harderstrasse 14, CH-3800 Interlaken, Schweiz

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Guggihütte, 2791m

Mönchsjochhütte, 3657m

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Letzte Aktualisierung der Seite am :
Tuesday, 08. September 2015
 

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