* Reisebericht 12./13.8.2001* (Nordkapp - Nordkinn - Kirkenes)
... und auf der kurzen Seereise auf dem Hurtigruten-Schiff *M/S Nordkapp* vorbei am Porsangen- und Laksefjorden auf das Nordkinn
wurde das Wetter noch schlechter und es war kurz vor Regen. Und es verdunkelte sich durch die schwarzen Wolken zusehends. Kjøllefjord war die nächste Station des Schiffes (ich bin ja nur eine gefahren), so dass ich und meine Enduro
jetzt den “Luxusliner* wieder verlassen mussten. Nachdem ich 2 km gefahren bin fing es wieder heftig zu regnen an und hörte den ganzen Tag auch nicht mehr auf. Aber wenigstens war der Verkehr auf der Nordkinn-Strasse extrem wenig (ist ja
auch nicht so bekannt wie das berühmte Nordkapp). So fuhr ich dann in strömenden Regen und tiefen, dunklen Wolken einsam Richtung Süden. In Ifjord (an der Hauptstrasse Lakselv - Tana Bru) angekommen, war es schon richtig dunkel
geworden, und so entschied ich mich, dass ich heute gleich hier bleiben werde. An einem einsamen Gasthof mit Campingplatz. Ich war hier übrigens der einzigste Gast! Aber wenigstens war ein Trockenraum vorhanden. Und den konnte ich heute
schon gut brauchen. Dann hörte es auch kurz auf zu regnen, so dass ich auch noch mein Zelt aufstellen konnte. Am nächsten Morgen (13.8.2001) war das Wetter schon wieder besser. So fuhr ich weiter noch kurz bei Regen in den *Fernen
Osten* Norwegens. Hinter Tana Bru fuhr ich weiter an den Varangerfjorden, welcher in die Barentsee abfliesst. Hier sah ich dann auch des öfteren russische Fahrzeuge. Die landschaftlich schöne, aber eintönige Strecke führte weiter nach
Neiden (Grenze zu Finnland) und weiter nach Kirkenes, der grössten Stadt in dieser fernab gelegenen Region. Nach einem kurzen Stadtbummel fuhr ich weiter ostwärts auf der E105 (Strecke nach Murmansk). Kurz darauf schon kam rechts die
russische Grenze bei Storskog. Ich fuhr aber noch weiter geradeaus in die *Einbahnstrasse* nach Grense Jakobselv. Diese Strecke war auch gut ausgebaut, und sie führte durch Stein- und Felswüsten hinunter an den Fluss bei Grense Jakobselv.
Gegenüber des Flusses sieht man die russ. Grenzsteine (rot-grüne Farbe). Ich fuhr dann noch weiter und vorbei an der Kirche in Jakobselv bis an die Barentsee. Und hier war jetzt für mich endgültig Schluss. Weiter geht es hier nicht mehr
(mit dem Motorrad). Übrigens, hier sieht man links und rechts auf den angrenzenden Berge militärische Beobachtungsstationen von früher (Sowjetunion - NATO). Dann ging es die gleiche Strecke wieder zurück nach Kirkenes und weiter nach
Neiden, hier stellte ich mein Zelt heute auf (Grenze zu Finnland). Wetter: 12.8.:Regen; (13.8.: bewölkt).
Der wehrpflichtige Soldat späht über die menschenleere Landschaft. OP 247
heißt der Aussichtspunkt in der Sprache der Militärs. Über dem Kopf des Soldaten schickt das Radar alle drei Sekunden seinen Strahl bis zum Horizont. Dies ist die östlichste auf dem Festland stehende Überwachungsstation der Nato Richtung
Russland. Ein elektronisches Auge, dessen Bilder letztlich im Pentagon landen. Obwohl das Interesse an den aufgefangenen Signalen von der Anhöhe 247 draußen an der Barentssee bei Grense Jakobselv nachzulassen scheint. Besonders seit die
USA sich kürzlich entschlossen haben, ihre U-Boote zurückzuziehen, die 30 Jahre lang jeden Quadratmeter der sowjetischen Territorialgewässer abgefahren sind. So war Grense Jakobselv lange von der Spannung geprägt, die diese äußerste Grenze
umgab. Die 1826 erfolgte Grenzziehung war lange Zeit nur ein Stück Papier, um das sich die russischen Fischer nicht sonderlich kümmerten. Sie warfen ihre Netze auf der norwegischen Seite der Grenze aus. Dort tauchte der Lachs in
Schwärmen auf, wenn er seine Laichplätze in dem kleinen Grenzfluss aufsuchte. Es wurde so schlimm, daß die Lokalbevölkerung vom königlichen Amtmann in Vadso Schutz verlangte. Dem Wunsch der 20 Menschen, die fest im Tal ansässig waren,
wurde entsprochen. Ein Kapitänleutnant der Festung Vardohus wurde über den Fjord geschickt, um die Verhältnisse vor Ort zu untersuchen. Er kam zu dem Ergebnis, daß die russischen Fischer die Grenze verletzten. Dafür, daß er Soldat war,
schlug er eine sehr originelle Lösung des Konflikts vor: Man solle eine Kirche bauen, die vom Meer aus zu sehen sein müßte. Die Russen hatten Respekt vor Kirchen. 1869 war die Kirche fertig, weiß gestrichen, damit sie als Grenzmarkierung
gut zu sehen war. Als König Oskar die Kirche 1873 besuchte, gab er ihr seinen Namen. König Oskar war ein aufgeklärter Mann. Er sorgte dafür, daß eine Gedächtnisplatte sowohl mit norwegischer als auch mit samischer Inschrift in der
Kirche angebracht wurde. Heute kommt uns der Standort vielleicht etwas merkwürdig vor. Ohne umgebende Bebauung. Aber die Kirche hatte ihre Bedeutung als nationales Symbol: Dies ist norwegisches Land! Grense Jakobselv ist etwas
Besonderes. Fruchtbar. Öde. Und der östlichste Punkt, den man im visumfreien Europa erreichen kann.