18.-21. Tag (26.-29.7.2005): Vancouver, British Columbia - Prince George - Junction 37 (Alaska Highway) (2413 km)
Fahrstrecke
Auf dem Stewart-Cassiar Highway nach Norden Von Vancouver in den Skiort Whistler, Coast Mountains, und weiter über Williams Lake, Prince George und Kitwanga auf den Stewart-Cassiar Highway (Abstecher nach Stewart und Hyder, Alaska) und weiter zum Alaska Highway bei Junction 37.
Von Vancouvers über den Sea-to-Sky Highway 99 nach Whistler und Prince George
Ab heute ging’s dann wieder hinauf in Richtung Norden. Vancouver war der südlichste Punkt meiner Motorradrundreise. Von Burnaby ging’s rein nach Vancouver und über eine Brücke nach North- und weiter nach West Vancouver. Entlang des schönen Howe Sounds (Highway 99; Sea-to-Sky-Highway 99) erreicht man nach 50 km den Ort Squamish. Ab hier geht es dann rein in die Ausläufer der Coast Mountains und eine schöne gebirgige Strecke beginnt. Nach weiteren gut 50 km erreicht man das kanadische Skizentrum Whistler. Es ist bekannt für seine Weltcup Skirennen. Es ist das modernste und grösste Skigebiet Kanadas und bietet Schneesicherheit von Mitte November bis Ende Mai. Es gibt das Gebiet um den Whistler (2181m) und den Blackcomb (2287m). Hier gibt es die längsten Skiabfahrten in Nordamerika. Am Blackcomb befindet sich zudem das einzigste Sommerskigebiet Nordamerikas.
Von Whistler geht’s nach Pemberton und ab hier steigt die Bergstrasse dann ständig an. Nach herrlicher kurvenreicher Strecke erreicht man dann den Summit des Sea-to-Sky-Highways auf 1273m Höhe. Oft mit herrlichen Blicken auf vergletscherte Gipfel, die über bewaldete Hügel hervorragen. Dann folgte die ebenfalls extrem schöne, kurvenreiche Strecke entlang grünschimmernder Seen in Richtung Lillooet. Kurz vor Lillooet kommt man dann noch in eine enge Schlucht. Die Strasse ist hier eng und steil, führt oft weit oberhalb der Schlucht entlang und ist oft mit kleinen Felsbrocken übersät. Einfach super mit dem Motorrad zu fahren! In Lillooet ist dann wieder die Landschaft völlig kanadauntypisch. Die dichten grünen Wälder sind verschwunden und es herrscht wieder Prärielandschaft vor. Auch sehen alle Wiesen ziemlich braun aus. Auch war es ziemlich heiss als ich da war. Fast schon kamen in mir südliche Mittelmeergefühle auf! Es ging weiter vorbei am grün schimmernden Pavilion Lake nach Cache Creek zum Endpunkt des Sea-to-Sky Highway 99.
Nun fuhr ich weiter nordwärts auf dem Cariboo Highway 97 und über Clinton, und über die Orte 70 Mile House, 93 Mile House, 100 Mile House und 150 Mile House kam ich nach Williams Lake. Hier hatte ich meinen heutigen Campingplatz. Am anderen Tag (Mi, 27.7.2005) fuhr ich immer entlang des Fraser Rivers und durch typisch kanadische Landschaft. Nach 120 km kommt man dann in das Städtchen Quesnel. Hier ist ein Zentrum der umstrittenen kanadischen Holzindustrie. 46% der Fläche von British Columbia sind von Wald bedeckt, was weiter bedeutet, das 60% aller Exporte aus der Holzindustrie stammen. Die wichtigsten Abnahmeländer sind Japan, die USA und auch Deutschland. “Clearcut” wird der Kahlschlag der kanadischen Wälder genannt. 60% der ursprünglich 6 Mio. ha Regenwald von British Columbia sind bereits zerstört. Nur 70 der ursprünglich fast 360 küstennahen Urwaldtälern blieben bisher verschont. Doch seit Anfang der 80er Jahre hat ein Umdenken in der Regierung eingesetzt, ausgelöst durch die Aktivitäten vor allen von Greenpeace. Doch erst 1993 wurde die Welt auf ein Desaster aufmerksam: Die Provinzregierung von British Columbia gab das grösste Urwaldgebiet auf Vancouver Island mit dem Clayoquot Sound das grösste noch intakte Urwaldgebiet zum “Clearcut” frei. Die Zufahrtsstrassen wurden damals von 1500 Demonstranten blockiert. Gegen 857 von ihnen wurden Verfahren eingeleitet. Es war die grösste Massenverhaftung in Kanadas Geschichte! Weltweite Proteste und die Tatsache, das europäische Grossabnehmer ihre Verträge mit dem kanadischen Konzern McMillian stoppten, führten dann zu einem Umdenken der Regierung British Columbias. Schon 1994 wurde dann der Kahlschlag im Clayoquot Sound verboten. Im Jahre 2000 wurde dann die Region UNESCO Biosphärenreservat und umfassend geschützt. Doch Probleme mit der Holzindustrie halten teilweise bis heute noch an.
Von Quesnel am Cariboo Highway ging’s dann weiter gen Norden nach Prince George. Ab hier folgte ich dann dem Yellowhead Highway 16 nach Westen Richtung Prince Rupert am Pazifik. Heute fuhr ich aber nur noch bis ins kleine Örtchen Burns Lake. Hier gab es dann mal einen kostenlosen Campingplatz (Gemeinde Campingplatz) im Ort. Das Wetter ab Prince George war ziemlich durchwachsen, teilweise wurde ich von stärkeren Regenschauern begleitet.
Coast Mountains bei Squamish (1)
Skigebiet Blackcomb-/ Whistler Mountain (2)
Coast Mountains Summit (1273m) (3)
Quesnel Holzindustrie (5)
Lillooet und Fraser River (4)
Der 724 km lange Stewart - Cassiar Highway 37
Von Burns Lake am Yellowhead Highway aus ging es dann heute (Do, 28.7.2005) weiter gen Westen. Zwischen Houston und New Hazeltown gab es auch heute immer mal wieder stärkere, aber kurze Regenschauer. 240 km vor Prince Rupert erreichte ich dann trocken das Städtchen Kitwanga, dem Abzweig auf den Stewart-Cassiar Highway nach Norden. Hier sollte man dann nochmal volltanken (“Check your Fuel! Next Service: 150 km”) , denn die nächsten 150 km bis Meziadin Junction auf dem Stewart-Cassiar Highway kommt dann nichts mehr. Ausser viel Wald und herrliche Natur. Am Abzweig Meziadin Junction folgte dann der 70 km lange Abstecher in die kleinen Nester Stewart in British Columbia und Hyder in Alaska . Am nächsten Tag (Fr, 29.7.2005) ging es dann hier bei Meziadin Junction weiter nach Norden. Die Strecke führt an landschaftlich reizvolle Gebiete vorbei, oft sind abseits der Strasse vergletscherte Berge zu sehen. Jetzt gibt es ab Meziadin Junction auch immer mal wieder längere Abschnitte Schotterpiste, teilweise mehr als 30 km lang. Die nächste war kurz vor Bell II, wo aber schon heftig daran gearbeitet wird, sie mit Teerbelag auszustatten. Was immer wieder mit längeren Wartezeiten am Baustellenbeginn verbunden war. Vorbei an der Bob Quinn Lake Rest Area kam dann 30 km vor meinem heutigen Ziel, dem Kinaskan Lake, die nächste Schotterpiste. Der Campingplatz am Kinaskan Lake wird von den staatlichen BC Parks betrieben und liegt sehr schön am See. Umgeben von einsamer Natur und eingerahmt von zwei Provincial Parks. Dem Mount Edziza Park im Westen und dem grösseren Spatsizi Wilderness Park im Osten. Eine Gegend für Naturliebhaber und Trekkingfans mit vielen Wanderwegen. Heute (Sa, 30.7.2005) nahm ich dann die restlichen Kilometer des Stewart-Cassiar Highways in Angriff. Der nächste Ort Iskut war schnell erreicht. Ab hier geht’s dann leicht aufwärts und man kommt auf die Hochebene mit dem Gnat Pass auf 1241 m Höhe. Hier befindet sich dann auch wieder die Continental Divide (Wasserscheide). Auch eine Schotterpiste ist wieder dabei bevor man den grössten Ort auf dem Stewart-Cassiar Highway erreicht. Hier in Dease Lake (“Full Services”) sollte man auch vorsichtshalber wieder auftanken. Eventuell bekommt man auf der folgenden 240 km langen Strecke keinen Sprit. Von Dease Lake kann man auch die 120 km lange Schotterpiste nach Telegraph Creek fahren. Ich fuhr aber weiter gen Norden Richtung “former Cassiar Townsite und Jade City”. Jade City liegt am Stewart-Cassiar Highway und besteht nur aus verlassenen Gebäuden. Auch wenn man von hier hinauf nach Cassiar fährt erreicht man nur das verlassene Örtchen. Ich bin da aber nicht hochgefahren, was ich doch im Nachhinein etwas bereut habe. Das nächste Nest war Good Hope Lake am Ende der Cassiar Mountains gelegen. Ab hier sind es dann nur noch knapp 100 km bis nach Junction 37 am Alaska Highway. Dieses Teilstück ist landschaftlich ziemlich öde, denn man fährt am Schluss nur noch schnurgerade durch den Wald, bevor man dann am Schluss mit einigen Kurven dann sehnsüchtig auf dem Alaska Highway (Junction 37) ankommt. Hier hatte ich schon vor 15 Tagen mal mein Zelt aufgeschlagen. Dieses mal fuhr ich noch etwas den Alaska Highway nach Nordwesten hinauf bis Rancheria, meinem heutigen Zeltplatz.
Die Fahrt auf dem Stewart-Cassiar Highway ist lange nicht so wild, wie ich schon des öfteren gehört hatte! Teilweise wurde mir von wahren Abenteuern erzählt und extremen Strassenverhältnissen. Nun, man muss teilweise schon aufpassen. Aber weniger auf den Schotterpisten, sondern mehr auf die teilweisen extrem breiten und tiefen Potholes (Schlaglöcher) auf den geteerten Abschnitten! Hier hatten manche von denen schon Ausmasse, die bei direktem Durchfahren einen Achsbruch bei einem Auto oder einen Sturz bei einem Motorradfahrer verursachen können! Also aufpassen auf dem Highway!
Die Fahrt auf der Stichstrasse (Glacier Highway) nach Stewart in Kanada und Hyder in Alaska hat es in sich. Eine landschaftlich sehr reizvolle Gegend mit der Fahrt durch hohe Gebirgszüge und Gletscher bis fast zum Strassenrand. Als ich auf dem Stewart-Cassiar Highway nach Stewart startete, war das Wetter noch in Ordnung. Doch kaum kam ich in das enge Gebirgstal wurde es zunehmend schlecht und es fing ziemlich stark an zu regnen. Kurz darauf in der engen Schlucht erreicht man den Bear Lake und dem herrlichen Bear Glacier, der auf der anderen Seite von den Bergen herabzieht und direkt mit seiner Zunge im Bear Lake endet. Ein herrlicher Anblick, aber: Er zieht sich sichtbar zurück! Nach dem Bestaunen des Bärengletschers ging es weiter runter ins Tal und nach einigen regnerischen Kilometern im Tal des Bear Rivers erreicht man das kleine Nest Stewart in British Columbia, Kanada. 3 km vor der Grenze nach Alaska gelegen am fischreichen Portland Canal. Jetzt regnete es gerade mal nicht mehr so heftig und so baute ich gleich mein Zelt auf dem Campingplatz (Rainey Creek) im Ort auf. Sehr schön und ruhig gelegen im Ort. Obwohl, ruhig ist es ja hier überall. Ich machte heute dann noch einen kurzen Abstecher hinüber nach Hyder, das gerade mal direkt hinter der Grenze liegt. Und das beste: Hier gibt es KEINE Grenzkontrolle bei der Einreise nach Alaska, USA. Obwohl, ich muss sagen: Ist auch völlig unnötig, denn von “da hinten” kommt man anderes eh nicht mehr heraus! Hier hinten ist eine Sackgasse und man kommt ausser über hohe Gletscher, Berge und Wildnis nur wieder über kanadische Grenze heraus. Und dort gibt es dann Kontrollen! Man wird höflich gefragt, ob man was zu verzollen hätte, Waffen dabei hat, oder sonstwas. Hyder ist schon ein lustiges Örtchen! Man wird gleich begrüsst mit “Entering Alaska - Welcome to Hyder, the friendliest Ghost Town in Alaska”. Also DORT ZU WOHNEN, das hätte schon was geisterhaftes an sich! Hier muss das Ende der Welt sein denkt man sich. Schlagartig ist auch die Strasse mit Schlaglöchern übersät. Ein gemütliches Örtchen, in dem ich nicht dauerhaft wohnen möchte! Dann ging’s wieder zurück nach Stewart, B.C. zum Campingplatz und einer regnerischen Nacht im Zelt.
Am nächsten Tag (Fr, 29.7.2005) ging’s dann noch mal hinüber über die Grenze nach Hyder. Nachdem ich die Geisterstadt mit ihrem schmucken Postamt (99923 Hyder, Alaska, AK) durchquert hatte ist man auf der Salmon Glacier Road. Sie führt ab Hyder 37 km hinein in eine faszinierende Wildnis mit (bei schönem Wetter!) traumhaften Blick zum riesigen Salmon Glacier. Man überquert nach 21 km übrigens noch mal die Grenze (jetzt wieder zurück nach Kanada). 6 km hinter Hyder kommt dann wohl der erste grosse Höhepunkt der Salmon Glacier Road. Man befindet sich dort bei der Fish Creek Wildlife Viewing Area. Hier ist ein bekannter (auch bei Bären!) äusserst lachsreicher kleiner Fluss. Man kann (und sollte) hier sein Fahrzeug abstellen und auf die erhöhte Aussichtsplattform gehen. Dann kann man ab Mitte Juli bis ca. Ende September im glasklaren Bach die vielen Lachse zusehen, wie sie sich verzweifelt den Bach hinaufkämpfen. Doch auf was warten die vielen Menschen hier im Besonderen? Teilweise ausgerüstet mit teuren, hochwertigen Fotoapparaten? Eigentlich eine dumme Frage! Es wartet hier jeder, bis ein paar Bären kommen und sich hier mit Lachsfangen beschäftigen. Hier kann man es live sehen, nicht nur im Fernsehen. (Auch ziemlich sicher, da die Plattform erhöht ist. Doch am Parkplatz laufen immer wieder mal Bären durch, was dann zu ungemütlichen Begegnungen führen könnte!). Ich hatte leider das Pech, dass bei mir wohl noch alle Bären geschlafen hatten. Und so sah ich leider keinen. Ich entschied mich deshalb, zuerst weiter auf der Glacier Road zu fahren. In der Hoffnung das Wetter würde sich bessern. So fuhr ich entlang am ziemlich schmutzigen Salmon River. Später wird dann die ziemlich schlechte, geschotterte Strasse steiler und auch nicht ganz ungefährlich. Ungeeignet für grössere Wohnwägen! Es gibt keinerlei Sicherungen am Strassenrand! Und bei mir wurde leider auch die Sicht immer schlechter statt wie gehofft besser. Nur ab und zu wurde mal für Sekunden der Blick etwas frei zum Salmon Glacier. Ich konnte meist nur die riesigen Ausmasse erahnen. Irgendwo in der Nähe des Viewpoint 14 fing es noch leicht zu nieseln an, sodass ich mich entschied wieder zurückzufahren. Man könnte aber noch weiter fahren zur verlassenen Granduc Mine in der Nähe des Berendon Glaciers. Das Strässchen nach dem Viewpoint 14 (Summit Viewpoint) wird nicht unterhalten. Benutzung auf eigene Gefahr!
Nach meiner Ankunft wieder am Fish Creek hoffte ich , jetzt einen Bären beim Lachsfangen beobachten zu können. Doch leider kam ich jetzt wohl zu spät. Jetzt lagen plötzlich drei tote Lachse am Bachrand und die Vögel hatten somit ihr Fressen. Es müssen wohl tatsächlich Bären da gewesen sein, leider war dann ich nicht da! Schade, aber so ist es halt in der freien Wildnis. Danach ging es wieder zurück nach Hyder und Stewart und entlang im Tal des Bear Rivers hinauf vorbei am Bear Glacier (hier regnete es auch wieder). Nachdem ich aus der Bergregion herauskam und Meziadin Junction am Stewart Cassiar erreichte, wurde es besser und setzte meine Motorradtour Richtung Norden fort.