25. Tag (2.8.2005): Haines Junction, Yukon Territory - Beaver Creek, Yukon Territory (319 km)
Mein Rundflug durch den Kluane Nationalpark, Yukon, Kanada (dem grössten zusammenhängenden Gletschereisfeld ausserhalb der Polarregion) (das Kluane Icefield) Start in Haines Junction zum Kaskawulsh Gletscher, über den South Arm weiter zum Dusty Gletscher und zurück nach Haines Junction. (Dakwàkàda) (Weiterfahrt auf dem Alaska Highway über Destruction Bay nach Beaver Creek)
Fahrstrecke
Am heutigen Di, 2.8.2005, wurde es spannend am Morgen. Würde das Wetter einigermassen gut sein? Genügt die Sicht für einen Rundflug durch den Kluane Nationalpark im äussersten Südwesten des Yukon? Der erste Blick nach dem Aufstehen galt dem Himmel. Es schien etwas die Sonne durch dünne Schleierwolken. Doch über dem Nationalpark sah es bewölkter aus. Ich machte mit Horst Heed aus dass wir uns heute um 8.00 Uhr am Flughafen treffen und einfach mal fragen, ob das Wetter einen Rundflug zulässt. Airport Haines Junction, 8.00 Uhr: Es war fast niemand da hier am kleinen Airport ausser Horst Heed samt Begleitung und ich. Doch vom Airport sagte uns dann jemand, dass in einer halben Stunde wohl jemand von Sifton Air kommen würde. So diskutierten wir drei, ob es klappen würde oder nicht. Immer wieder bange Blicke zum Himmel....denn so richtig schön war es nicht. Plötzlich tauchte jemand hinter dem Sifton Gebäude jemand auf. Wir fragten die junge Frau, ob sie zu Sifton Air gehöre, was sie bejahte. Unsere nächste Frage: Kann man HEUTE in den Nationalpark fliegen, lässt es das Wetter es zu? Sieht man auch was, wenn man fliegt? Ihre Antwort: Nunja, das wisse sie auch nicht so genau. Da müsse man schon reinfliegen und dann sieht man, ob man was sieht oder eben nicht. Wir waren doch leicht verwundert auf diese Antwort. Aber sie meinte dann, es würde schon gehen. Also auf ins Büro, einen von den vier angebotenen Rundflügen auswählen, zahlen......und hoffen. Die nächste Verwunderung kam auf als Horst Heed die junge freundliche Frau fragte: Wann kommt denn der Pilot? Ihre Antwort war einfach: Sie ist unsere Pilotin! Ich weiss nicht genau, wie alt sie war, aber 25 Jahre dürfte hinkommen. Wir dachten uns wohl alle drei (was aber keiner laut sagte), sie wird ja heute nicht zum ersten Mal fliegen. Doch dann kamen noch zwei, die ebenfalls fliegen wollten. Ich entschied mich, dass ich den zwei den Vortritt lasse, und hernach fliege, wenn sie wieder zurückkommen. In der Hoffnung, dass ich dann nicht alleine dastehe und viel mehr zahlen müsste. Doch bei der ihrer Rückkehr nach ca. 1 Stunde kamen schon die nächsten zwei Urlauber (aus Calgary, Kanada) die ebenfalls fliegen wollten. So ging es dann für mich langsam los.
Rein in die enge Cessna (ich sass rechts neben der Pilotin), Kopfhörer auf und mit schneller Fahrt ging’s auf die steinige Startbahn. Langsam hob die Cessna ab in Richtung Westen. Wir schaukelten im Steigflug über dem Alaska Highway in Richtung Kluane N.P. Der Start war geschafft! Die Wälder unter mir wurden kleiner und wir kamen in den Nationalpark. Zuerst gab es noch einige tiefe Wolken, doch die verschwanden bald und der Blick in den Nationalpark wurde frei. Und was wir zu sehen bekamen, verschlug uns Fluggästen fast die Sprache! Zuerst ging’s “nur” über den Kaskawulsh Fluss, doch dann tauchte am Horizont die Zunge des Kaskawulsh Gletschers auf. In mehreren Kilometern Länge zieht er aus der Eisregion herunter, mit zwei mächtigen Gletscherarmen links und rechts. Was für ein Anblick! Nach einigen Minuten Flug über dem Kaskawulsh Gletscher bogen wir zum linken Gletscherarm ab. Hier beginnt dann der sog. South Arm.
Der Kluane Nationalpark im Überblick Die Flugroute
Hier in dieser Karte sieht man, in was für einen kleinen Teil wir eigentlich geflogen sind. Und damit auch die riesigen Ausmasse dieses Parks!
Bis jetzt war der Kaskawulsh Gletscher der Blickfang. Doch nun liessen wir ihn hinter uns. Nun bestimmten endlose weite Gletscherfelder das Bild. Hohe Berge ragten aus dem endlosen Gletschermeer. Hinten im Dunst war der Mount Kennedy (3991m) zu sehen, auch andere über 4000 m hohe Berge waren zu erkennen. Doch leider war der Blick zu Kanadas höchstem Berg, dem 5959m hohen Mount Logan, nicht frei. Dazu müsste mann auch noch weiter in den Park hineinfliegen. Unser Rundflug war ja im Grunde genommen nur am Rande des Kluane N.P. Und auch hier war der Blick schon atemberaubend! Wir überflogen den South Arm weiter in Richtung Lowell- / Dusty Gletscher. Und immer wieder gab es ziemlich heftige Schaukeleien in der kleinen Cessna hoch über den Eismassen. Doch wir waren jetzt schon restlos begeistert von der extrem faszinierenden Landschaft hier! In einer langen Linkskurve steuerte unsere Pilotin den Dusty Gletscher an. Auf dem flachen Gletscher waren viele kleine, blau schimmernde Seen zu sehen. So langsam verliessen wir jetzt wieder die Eisregion und kamen über bewaldetes Gebiet. Der Wald hatte hier nur statt einer grünen Farbe ein etwas merkwürdiges “blauviolettes” Aussehen von oben. Hier wurde der Bergwald von einem Virus befallen, deswegen sieht das so merkwürdig aus. Doch alles wird hier so stehengelassen, wie es von Natur aus geschieht. Der Mensch greift hier im Nationalpark nicht ein. Nach einer knappen Flugstunde kamen wir wieder hinaus in Richtung Haines Junction. Vor uns tauchte die kleine Landebahn auf und nach einer engen Linkskurve steuerte unsere Pilotin sicher auf die Bahn zu. Landung geglückt und alle waren hochzufrieden über diesen herrlichen Rundflug durch den Kluane N.P.
Der Kluane Nationalpark wird als Weltnaturerbe der UNESCO geführt. <Zusammen mit dem Wrangell-St. Elias N.P. (Alaska), dem Glacier Bay N.P. (Alaska), Tatshenshini-Alsek Prov. Park, (B.C., Kanada)>
Fahrt von Haines Junction nach Beaver Creek, Yukon, Kanada
Nach dem herrlichen Rundflug fuhr ich dann weiter, jetzt wieder auf dem Alaska Highway in Richtung Beaver Creek. Hinter Haines Junction führt die Strasse immer entlang des Kluane Nationalparks mit schönen Blicken auf die Bergketten. Nach ca. 60 km erreicht man dann den langen Kluane Lake (Lù’àn Män). In weitem Bogen wird dann der Slims River am Südende des Sees umrundet und vor einem tauchen die Sheep Mountains (Tachäl Dhäl) auf. Danach geht’s weiter entlang des Kluane Lakes. Was bei mir leider eine lange, rutschige Fahrt war, den die nächsten 10 km waren eine einzige Baustelle. Der nächste Ort war Destruction Bay am Kluane Lake. Ziemlich unspektakulär, der Ort war damals Stützpunkt für den Bau des Alaska Highways. Er zählt heutzutage ca. 60 (!) Einwohner. Der Name Destruction (“Zerstörung”) kam durch einen Sturm, der hier Gebäude während der Bauarbeiten zerstört hat. Nach weiteren 20 km erreichte ich Burwash Landing, ein ebenso kleines Fleckchen. Auf dem nächsten Abschnitt erreichte ich die Brücke über den Donjek River. Ab hier war damals beim Bau des Alaska Highways der schwierigste Abschnitt. Viele Flüsse und Seen versperrten den Weg, dazu ist der Boden hier ein sog. Permafrostboden, was viele Schwierigkeiten für die Bautrupps bedeutete. Als ich hier fuhr merkte man das an vielen, teilweise ziemlich tiefen und breiten Schlaglöchern, was vorsichtiges Fahren erforderlich machte. Dann fing es auch noch mal heftig, aber relativ kurz zu regnen an. Am späten Nachmittag erreichte ich dann trocken das gut 100 Einwohner zählende Beaver Creek. Hier, am letzten Ort vor der Grenze nach Alaska, sind es bis zur Grenzstation noch 32 km. Ich übernachtete heute am Zeltplatz hier in Beaver Creek.